FH OberösterreichUniversity of Applied Sciences Upper Austria

Spotlights Studienbefähigungslehrgang

Lehrgangsleiter Stefan Sunzenauer im Interview

Der Physiker leitet die Studienbefähigungslehrgänge an der FH Oberösterreich: Dazu zählen der deutschsprachige Studienbefähigungslehrgang, sein Englisches Pendant, das International Foundation Programme, sowie den Vorstudienlehrgang Deutsch.


Für welche Personen ist der Lehrgang konzipiert?

Für Personen mit facheinschlägigem Lehrabschluss bzw. Fachschulabschluss bietet er eine optimale Möglichkeit, ein FH-Studium beginnen zu können, ohne eine Matura vorweisen zu müssen. Der Vorbereitungskurs ist berufsbegleitend organisiert. An drei bis vier Abenden pro Woche kann er nach dem Job absolviert werden.

Welche Eigenschaften sollten die TeilnehmerInnen mitbringen? Und welche Motivation?

Die wichtigste Eigenschaft sollte zugleich auch die Motivation für den Studienbefähigungslehrgang und das spätere Studium sein: Interesse und Freude daran, etwas Neues zu lernen.

Muss man sich auf den Studienbefähigungslehrgang vorbereiten, welche Vorkenntnisse sind erforderlich?

Nein, auch wenn wir eigentlich mehr Voraussetzen, so holen wir die Teilnehmer dann doch auf dem Level eines guten Hauptschulniveaus ab. Allerdings geht es dann Steil bergauf – innerhalb eines Jahres erreichen wir in den Gegenständen Deutsch, Englisch, Mathematik und Physik Maturaniveau!

Haben Sie noch ein paar Tipps zum Zeitmanagement?

Prioritäten setzen. Ein erfolgreiches Studium und der vorhergehende Lehrgang ist die wertvollste Investition, die man in die eigene Zukunft machen kann – es sollte immer Vorrang haben. Während des Lehrganges zahlt sich aktives mitlernen vom ersten Abend an jedenfalls aus.

Wie sehen die Erfolgsaussichten aus?

Rund 2000 Personen ohne Maturaabschluss haben in den letzten 10 Jahren den einjährigen FH-Studienbefähigungslehrgang gestartet, rund 1000 haben ihn erfolgreich absolviert und ein FH-Studium in Hagenberg, Linz, Steyr oder Wels gestartet. Die meisten belegen anschließend ein technisches Studium und fühlen sich der letzten Befragung zufolge sogar besser vorbereitet als Ihre Studienkollegen und Kolleginnen!

Und was sind die größten Stolpersteine?

Oft wird der zeitliche Aufwand dann doch unterschätzt – mit der Anwesenheit an den Kursabenden ist es nicht getan.

Last but least, noch ein paar persönliche Fragen: Was ist Ihnen wichtig?

Unsere Gesellschaft könnte eine gehörige Portion Zukunftsoptimismus vertragen. Ich persönlich bin optimistisch, weil ich glaube, dass sich (fast) alle Probleme der Menschen langfristig durch Technologie und Bildung lösen werden lassen.

Ich habe aber auch den Eindruck, dass sich Wissenschaftsfeindlichkeit in unserer Gesellschaft breit macht (von Impfgegnern bis hin zu Kreationisten). Das ist in vielerlei Hinsicht gefährlich: Für die Gesellschaft an sich sowieso, aber auch für unseren Wohlstand. Nur wer offen für Wissenschaft und Technik ist kann diese auch verstehen und daran teilhaben. Alleine die Einführung autonomer Fahrzeuge könnte in den nächsten Jahren Millionen von Menschen ihren Job kosten. Der Oberösterreichische und Europäische Wohlstandsvorsprung im internationalen Vergleich lässt sich nur dadurch retten, dass wir auch älteren und bereits im Beruf stehenden Menschen (auch ohne Matura) ermöglichen, noch ins Reich der Technik einzusteigen.

Ihre Hobbies?

Sport: Schwimmen, Radfahren, Laufen – am liebsten in dieser Reihenfolge, etwa bei den FH Staatsmeisterschaften im Triathlon. Ansonsten versuche ich möglichst viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

Danke für das Gespräch!

 

Zur Person:
DI Dr. Stefan Sunzenauer studierte nach der Matura an der HTL Leonding für EDV & Organisation Technische Physik an der JKU Linz. Nachdem er bereits seine Diplomarbeit am Institut für Biophysik verfasste, blieb er auch für seine Dissertation, welche durch eines der äußerst kompetitiven DOC Stipendien der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gefördert wurde, der Arbeitsgruppe für Einzelmolekül-Fluoreszenzmikroskopie treu. Nach diesen Jahren in der Grundlagenforschung, zog es ihn zu anwendungsorientierteren Aufgaben, und so beschäftige er sich in der Folge mit der Entwicklung von Verbrennungsmotoren bei einem Automobilzulieferer. Die Leidenschaft zur Lehre entdeckte Sunzenauer durch Nachhilfe für Klassenkollegen bereits früh, und ging dieser seither immer nach: An der JKU Linz erst als Tutor und später als Praktikumsleiter, während des Promotionsstudiums als nebenberuflicher Physiklehrer an einer HLW und nach seiner Dissertation bis zu seiner Berufung an die  FH OÖ auch als externer Lektor an der FH OÖ Fakultät Linz. Seit Herbst 2015 leitet er die Vorbereitungslehrgänge an der FH Oberösterreich.

Bildquelle: imBilde.at