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Digisocialisation mit dem Artificial Eye

Die Gesellschaft befindet sich im Umbruch – viele Gruppen und Communities schließen sich auch im virtuellen Raum zusammen. Das bedeutet umgekehrt auch: ihre Erreichbarkeit durch herkömmliche Methoden der Ansprache sinkt. Aus der Sicht vieler Sozialwissenschaftler*innen ebenso wie Praktiker*innen im Sozialwesen ist daher vor allem ein Schritt notwendig: eine bessere sozialarbeiterische Kommunikation im digitalen Raum. Nur so kann gewährleistet werden, dass auch marginalisierte Personen den Anschluss an die Gesellschaft behalten.

Ein Forschungsprojekt am Department Soziale Arbeit der FH Oberösterreich in Linz nennt sich „Artificial Eye“ und arbeitet schon seit einigen Monaten mit Partnern aus dem Sozialbereich an Standards für eine zeitgemäße Soziale Arbeit im Digitalen Raum.


Ob die Corona-Pandemie oder konventionell schwer erreichbare migrantische Gruppen: Anlässe für ein „schärferes Auge“ der Sozialen Arbeit hin zum virtuellen Raum gibt es gleich mehrere. Das von der bundesweiten Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützte Projekt der FH Oberösterreich „Artificial Eye“ entwickelt aktuell einen Prozess in und für die Soziale Arbeit, der aufsuchende Arbeit im Netz strukturiert und den Beziehungsaufbau zu den Klient*innen gelingen lässt.
Projektpartner aus der Praxis sind dabei ISI, migrare und akzente Salzburg.

Die kooperative Projektleitung - bestehend aus Charlotte Sweet und Franz Schiermayr vom Department Soziale Arbeit - hat bereits erkennbare Haltungen identifiziert, welche einerseits die Bedürfnisse der Menschen, die online aufeinander treffen, sichtbar machen und andererseits günstige Herangehensweisen für Praktiker*innen in der Sozialen Arbeit möglich machen. So sollen Einzelne im Netz wieder „ankoppelbar“ gemacht werden – soll heißen, es wird eine Beziehung zu den Personen aufgebaut, die demokratische Teilnahme an der Gesellschaft konstruktiv ermöglicht, anstatt Menschen in ihrem destruktiven Verhalten radikaler werden zu lassen.

In Zukunft können dadurch möglicherweise Menschen, die separiert und isoliert ihren Unmut zur Schau tragen oder sogar zu Gewaltexzessen aufrufen oder daran teilnehmen möchten, früher identifiziert und bestmöglich reintegriert werden.

Die Soziale Arbeit sieht sich gefordert, für alle menschlichen Bedürfnisse gemäßigte und konstruktive Räume zur Verhandlung zu eröffnen - im analogen wie im digitalen Raum. Denn „Big brother cares about you“.

Überwachung passiert, das wissen wir mittlerweile alle. Aber wozu sie passiert und was wir mit den Einsichten machen, die wir auf diesem Weg bekommen, dazu braucht es einschlägige Debatten und vor allem einen „methodischen Werkzeugkoffer“. Diesen macht das Projekt „Artifical Eye“ gerade reif für die Praxis.

Mehr Infos:
https://forschung.fh-ooe.at/ueber-die-forschung/digisocialisation/

Charlotte Sweet und Franz Schiermayr vom Department Soziale Arbeit der FH Oberösterreich entwickeln die Digitale Soziale Arbeit weiter | Bildquelle: Sweet/Schiermayr privat