FH OberösterreichUniversity of Applied Sciences Upper Austria

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FH OÖ holt mit neuen COIN-Projekten 2,6 Mio. € an Bundesforschungsgeldern

Die FH OÖ erhielt im Rahmen der Förderausschreibung COIN den Zuschlag für drei neue Forschungsprojekte in den Themenbereichen Automotive/Mobilität, Smart Production und Medizintechnik. Damit geht rund ein Drittel des österreichweit vergebenen COIN-Budgets von insgesamt 9 Mio. € an die FH OÖ-Forschung.


Von insgesamt 66 eingereichten Projekten wurden von der FFG, der Forschungsförderungsgesellschaft, österreichweit 13 Projekte genehmigt. Davon werden 3 Projekte von der FH OÖ koordiniert. Ziel von COIN ist es, die Forschungs- und Technologieentwicklungstätigkeit von Unternehmen - insbesondere von KMU - zu erhöhen.

 Die FH OÖ, als forschungsstärkste Fachhochschule Österreich, hat damit ihre Position einmal mehr bestätigt. Oberösterreichs LH-Stv. Dr. Michael Strugl: „Die heimische Wirtschaft profitiert von den Forschungs-Ergebnissen und dem Know-How der FH OÖ, deren hoher Stellenwert durch den Zuschlag für die drei Projekte unterstrichen wird.“  FH-Prof. Priv. Doz. DI Dr. Johann Kastner als Leiter der FH OÖ Forschungs & Entwicklungs GmbH sagt: „Durch die Zuerkennung der Fördermittel wird den ForscherInnen für die nächsten Jahre die Möglichkeit gegeben, weiterhin an zukunftsrelevanten Themen für Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zu forschen“ „Die FH Oberösterreich erbringt in Österreich ein Drittel der gesamten Forschungsleistungen an den Fachhochschulen und ist in Forschung und Entwicklung inzwischen eine der führenden Fachhochschulen im deutschsprachigen Raum“, weiß auch FH OÖ Geschäftsführer Dr. Gerald Reisinger.

  

Die genehmigten Projekte sind thematisch breit gefächert:

  • BioCETA –Biophysikalische Charakterisierung extrazellulärer Biopartikel für die therapeutische Anwendung (Bereich Medizintechnik)

     Biopartikel spielen einerseits eine physiologische bzw. pathophysiologische Rolle – beispielsweise bei Geweberegeneration, Krebs, Infektionen und Neurodegeneration – und können andererseits als natürliche Wirkstoffträger für Medikamente verwendet werden. Mit den derzeit gängigen Methoden ist es jedoch nicht möglich, einzelne Biopartikel-Populationen spezifisch und hochauflösend zu analysieren – obwohl eine standardisierte Qualitätskontrolle für die Anwendung in Therapie, Diagnostik und Biotechnologie unerlässlich ist. Ziel des Projektes BioCETA ist es, eine neuartige multi-modale biophysikalische Analyse von Biopartikeln für die therapeutische Anwendung aufzubauen. Dabei werden an den beteiligten Standorten Linz und Hagenberg bereits bestehende Techniken bzw. Expertisen aus der Hochgeschwindigkeits-Rasterkraftmikroskopie, der hoch- und superauflösenden Fluoreszenzmikroskopie und der Bioinformatik (Bild-Analyse, Datamining, Machine-Learning) adaptiert und mit im Zuge des Projektes neu geschaffener Infrastruktur (kombiniertes Fluoreszenz-Rasterkraftmikroskop, Quarzkristallmikrowaage) kombiniert und methodisch auf/ausgebaut.

 

  • ProSim – Prozesssimulation für die Automatisierung der Composite-Fertigung (Bereich Leichtbau)

Die Herstellung von Compositebauteilen erlebt derzeit einen starken Wandel hin zur automatisierten Fertigung vor dem Hintergrund des Einsatzes im Automobilbereich und der wachsenden Stückzahlen und Bauteilgrößen (z.B. Flugzeugrumpf) in der Luftfahrt. Der noch junge Forschungsbereich der Prozesssimulation für Composites liefert, lange bevor das erste Bauteil gebaut wird, bereits sehr wichtige Informationen zur Fertigbarkeit des Bauteils und trägt noch viel mehr zur Erforschung und Entwicklung des automatisierten Fertigungsprozesses bei. Der Kompetenzaufbau in diesem noch sehr jungen und innovativen Forschungsbereich ist ein wichtiger strategischer Baustein für die FH OÖ in Forschung und Lehre und stellt in der österreichischen Forschungslandschaft ein Alleinstellungsmerkmal dar.

In diesem Projekt soll die Prozesskette vom Drapieren imprägnierter unidirektionaler Halbzeuge in die Bauteilgeometrie bis hin zur Konsolidierung und Vorhersage des Bauteilverzuges und der Eigenspannungen (ES) und abschließend die Verknüpfung der Drapier- mit der Konsolidierungssimulation und der Struktursimulation untersucht werden. Unterstützt und validiert werden die Erkenntnisse aus der Prozess- und Struktursimulation anhand eines generischen Demonstrators durch die reale Erprobung an unterschiedlichen Prozessketten und einem Strukturversuch.

 

  • DisMoSim - Verteilte und internetbasierte Modellierung, Regelung und Simulation cyberphysikalischer Systeme (Bereich Industrie 4.0)

Das Denken in und das Arbeiten mit verteilten Systemen bildet die Realität in heutigen Entwicklungs- und Produktionsprozessen eindeutig besser ab, als die klassische „zentrale“ Herangehensweise. Dennoch ist diese „zentrale“ Herangehensweise weitgehend Stand der industriellen Praxis. Das Projekt DisMoSim ist der Industrie4.0 Vision einer verteilten Realität in den Bereichen Modellierung, Regelung und Simulation gewidmet. Es werden Strategien, Algorithmen und Auswirkungen verteilter Modellierung, Regelung und Simulation von der Entwicklung bis zur Produktion untersucht und prototypisch implementiert. Zwei konkrete Beispiele sollen einen Teil der DisMoSim Vision veranschaulichen:

Modellierung: Bei der klassischen Herangehensweise wird ein Simulationsmodell an einem Computer von einer Person zusammengebaut. Die zunehmende Komplexität solcher Modelle führt zu Fehleranfälligkeit und Ineffizienz. In DisMoSim werden neuartige Modellierungskonzepte untersucht, sodass Teams, bestehend aus unterschiedlichen Experten an verschiedenen Orten komplizierte Modelle gemeinsam aufbauen können.

Simulation: Auch hier läuft üblicherweise alles auf eine Simulation an einem Rechner oder in einem Cluster hinaus. Dazu müssen alle Daten zentral gesammelt werden, was beispielsweise zu Geheimhaltungsproblemen führt, da die Hersteller von Sub-Simulationsmodellen ihr Know-How nur ungern aus der Hand geben. In DisMoSim werden neuartige Algorithmen entwickelt und getestet, sodass Sub-Simulationsmodelle miteinander via Internet kommunizieren. Dabei werden die Informationen der Subsysteme vernetzt, sodass eine Berechnung des Gesamtsystems möglich wird, ohne dass die Hersteller ihr Know-How aus der Hand geben müssen.

 

 

COIN (Cooperation & Innovation) ist eine Initiative des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft. Sie hat das Ziel, die Innovationsleistung Österreichs durch bessere und breitere Umsetzung von Wissen in Innovation zu verbessern.Vorrangiges Ziel der COIN – Programmlinie „Aufbau“ ist es, Anbieter von anwendungsorientierter Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationskompetenz zu stärken, damit diese ihre Funktion auch als Dienstleister im österreichischen Innovationssystem besser verfolgen können.

 

FFG – Forschungsförderungsgesellschaft  ist die nationale Förderungsinstitution für die unternehmensnahe Forschung und Entwicklung in Österreich.

 

Über die FH OÖ:
Die FH Oberösterreich ist die forschungsstärkste Fachhochschule Österreichs. Aktuell studieren an unseren 4 Standorten in Hagenberg, Linz, Steyr und Wels rund 5.900 Studierende. 67 Bachelor- und Masterstudiengänge stehen zur Auswahl. Unsere ForscherInnen erbringen ein Drittel der gesamten Forschungsleistungen an Österreichs Fachhochschulen. Im Forschungsjahr 2017 konnte die FH OÖ ihren Umsatz ein weiteres Mal steigern. Der Umsatz der FH OÖ Forschungs & Entwicklungs GmbH liegt 2017 bei 19,68 Mio. € und verzeichnet somit einen Anstieg um 13,5% gegenüber dem Vorjahr. Dies ist der intensiven Arbeit von 229 Vollzeit-MitarbeiterInnen zu verdanken. Die Industrieeinnahmen von 5,74 Mio. € für das Jahr 2017 waren um +25 % höher als 2016, wo diese 4,58 Mio. € betrugen. Mehr als 600 Unternehmen und Institutionen aus Wirtschaft und Gesellschaft profitierten vom Know-how der FH OÖ-ForscherInnen in 409 Projekten, wovon 2017 133 neu gestartet.

3 Forschungsprojekte der FH OÖ wurden genehmigt. Foto: istock