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FH OÖ forscht: Neue Technologien für die Rehabilitation zu Hause

Europas Bevölkerung altert: Bis 2060 steigt der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung von derzeit rund 17 auf 30% - bei gleichzeitig sinkendem Anteil der Erwerbstätigen, prognostiziert EUROSTAT. 2060 werden rund 60 Millionen (12%) der 500 Mio. Europäer über 80 Jahre alt sein. Die Herausforderungen für das Gesundheitssystem mit allen Pflege- und Betreuungsmaßnahmen sind enorm. In einem EU-geförderten Projekt forschen Wissenschaftler der FH Oberösterreich mit sieben internationalen Partnern, wie Rehabilitation mit moderner Technologie und medizinischer Begleitung auch Zuhause stattfinden kann.

FITness und REHAbilitation zu Hause, das ist das Ziel des EU-Projekts „FITREHAB“ im Rahmen des EU-Förderprogramms „Innovation 4 Welfare“, in dem kompetente Partner aus fünf europäischen Staaten an neuen Technologien forschen. „Moderne Medizintechnik könnte etwa einem Drittel aller Schlaganfallpatienten Rehabilitation in den eigenen vier Wänden ermöglichen und so lange Anfahrtszeiten zu medizinischen Betreuungszentren und enorme Kosten ersparen“, so Dr. Thomas Haslwanter, Professor für Medizintechnik am FH OÖ Campus Linz. Unter der Projektleitung der Mailänder Universität „Universita degli Studi di Milano“ arbeiten neben der FH OÖ kompetente Partner aus dem Medizin-, Sozial- und Technologiebereich aus Spanien, den Niederlanden, Estland und Italien an neuenTechnologien für die Reha zu Hause.

Trainingsprogramm gibt spielerisch Bewegungsabläufe des Alltags vor

Die Forscher konzipieren eine Trainingsplattform mit zwei integrierten Stationen: Eine Station befindet sich im Krankenhaus, wo das medizinische Personal ein maßgeschneidertes Übungsprogramm aufsetzt. Die andere Station wird vom Patienten zu Hause verwendet, um in einer virtuellen Umgebung mittels TV-Bildschirm das (Wieder-) Erlernen motorischer Fähigkeiten z.B. nach Schlaganfällen zu trainieren. Sensoren, die in ein T-Shirt eingebettet sind, übermitteln die Bewegungen an eine virtuelle Person am TV-Bildschirm. Das vorgegebene Trainingsprogramm gibt den Patienten spielerisch Bewegungsabläufe des Alltags vor: So könnte es zum Trainieren der Arme Aufgabe sein, virtuell über den Bildschirm Tassen in einen Küchenschrank einzuräumen – je nach Reha-Fortschritt steigert sich die Höhe des Regals.

Physiologische Sensoren überwachen neben den Trainingsbewegungen auch die Herzfrequenz. Diese Informationen werden zurück an die Station im Krankenhaus gesendet und durch das medizinische Personal überwacht.

Moderne Spielkonsolen für die Rehabilitation?

„Die FH Oberösterreich führt derzeit auch den Einsatz moderner Spielekonsolen wie Nintendo Wii oder Microsoft Kinect zur Bewegungserfassung im Rahmen der Rehabilitation im Heimbereich durch“, so Dr. Haslwanter. „Die neuen Computerspiele könnten eine hohe Motivation liefern, die Bewegungen exakt und regelmäßig durchzuführen. In Kooperation mit Therapeuten möchten wir herausfinden, welche bewährten Therapieübungen sich hier am besten eignen“.

Im Herbst 2011 sollen erste Ergebnisse vorliegen. Das Projekt „FITREHAB“ hat ein Budgetvolumen von rund 460.000 Euro, die FH OÖ erhält rund 56.000 Euro an Fördergeldern.

„Mit dem EU-Förderprogramm „Innovation 4 Welfare“ tauschen 6 europäische Regionen ihre Potenziale im Gesundheitsbereich aus und bieten die Chance auf innovative überregionale Zusammenarbeit. Als Partner für die technologische Evaluierung der Plattform unterstreicht die FH Oberösterreich ihre hohe Kompetenz im Medizintechnikbereich“, so Forschungslandesrätin Mag.a Doris Hummer.

Das Projekt FITREHAB wird im Rahmen des INTERREG IVC Programmes durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. www.innovation4welfare.eu

Die Forscher des Projekts „FITREHAB“ konzipieren eine Trainingsplattform für die Rehabilitation in den eigenen vier Wänden – zum Beispiel nach einem Schlaganfall. Bildquelle: FH OÖ (Abdruck honorarfrei)