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Welser Lebensmitteltechnologin mit ausgezeichneter Masterarbeit

Wachsende Abfallmengen, ihre falsche Entsorgung und unzureichendes Recycling zählen zu den größten Herausforderungen unserer heutigen Zeit. Einwegartikel, wie etwa Kaffeebecher, tragen zu einem erheblichen Teil zu den verheerenden Folgen der Umweltverschmutzung bei. Die Welser FH OÖ-Lebensmitteltechnologie und Ernährung-Absolventin Lea Gritsch MSc hat für die FHW Franz Haas Waffelmaschinen GmbH (Teil der Schweizer Bühler Gruppe) im Rahmen ihrer Masterarbeit und in Kooperation mit dem FH Campus Wien einen essbaren Coffee-to-go-Becher aus Getreidenebenprodukte entwickelt. Diese neuen Bechermaschinen werden nun samt der neu entwickelten Rezeptur zum Kauf angeboten.


Kein anderes Produkt prägt unsere Wegwerfgesellschaft so, wie der Coffee-to-go-Becher. Alleine in Deutschland werden stündlich 320.000 Einmalbecher verwendet und die durchschnittliche Lebensdauer eines Bechers beträgt 15 Minuten. Österreicher trinken durchschnittlich 162 Liter Kaffee im Jahr (vgl. 104 Liter Bier pro Jahr). Dabei werden 15 % außerhalb der eigenen vier Wände getrunken, davon ein Drittel in Einmalbecher. Sie sind aus Cellulosen hergestellt, die mit Polyethylen beschichtet sind. Diese Beschichtung hält sehr stark, deshalb sind die Becher auch schwierig zu recyclen.

„Toll, ein handfestes Produkt in Händen zu halten“

Die FHW Franz Haas Waffelmaschinen GmbH entwickelt schon längere Zeit Alternativen zu Kunststoff-Einwegartikeln. „Mich hat das Thema sehr angesprochen, weil ich gerne ein sinnvolles Masterprojekt machen wollte. Müllvermeidung und Kunststoff-Alternativen sind große Themen der heutigen Zeit mit enormer Wichtigkeit! Es ist toll, am Ende etwas Handfestes geschaffen zu haben und das selbst entwickelte Produkt in Händen halten zu können“, sagt die 23-jährige Lea Gritsch.

Trinkt lieber einen gemütlichen Kaffee

Sie liebt die Wiener Kaffeehauskultur und trinkt selbst gerne Kaffee – aber nur in einem gemütlichen Umfeld. „Dem Coffee to go kann ich wegen der großen Abfallmenge und des gehetzten Trinkens nicht viel abgewinnen“, sagt die Lebensmitteltechnologin. Und trotzdem hat sie sich mit der Entwicklung eines essbaren Kaffeebechers beschäftigt.

Keine einfache Entwicklung

Die Entwicklung war keine einfache. Der Becher muss viele Eigenschaften erfüllen. „Er muss dicht und formstabil, essbar und schmackhaft sein. Der Geschmack des Kaffees darf nicht beeinflusst werden. Es sollen nachhaltige Rohstoffe verwendet werden und die Herstellkosten sollten so gering wie möglich sein. Und zu guter Letzt müssen die Becher backbar und mit den vorhandenen Maschinen und Backprozessen kompatibel sein“, berichtet die aus Tollet bei Grieskirchen stammende Gritsch weiter.

In einem umfangreichen Screening wurden Rohmaterialien, die besonders geeignet sind, identifiziert. Dabei handelt es sich um Nebenprodukte aus der Getreideverarbeitung und Nebenprodukten aus der Lebensmittelindustrie. „Die Produktion dieser Becher kann mit Technologien durchgeführt werden, die in der Lebensmittelindustrie bereits verwendet werden. Zudem haben wir die Becher einer Reihe von Belastungstests unterzogen, um sie auf Heißwasserbeständigkeit hinsichtlich Wasserdichtheit und Formstabilität zu prüfen. Dabei haben wir festgestellt, dass die Becher auch heißem Wasser mindestens 40 Minuten standhalten“, sagt die innovative Technikerin, die Kochen, Backen und Essen zu ihren Hobbys und Interessen zählt.

Große essbare Becher technologisch herausfordernder

Auf die Frage, ob die Becher auch bei anderen Speisen eingesetzt werden können, antwortet die Lebensmitteltechnologin: „Der Gebrauch der Becher lässt sich natürlich abwandeln: Als Eisbecher, als Suppenschüssel oder ähnliches. Je größer jedoch derartige Becher werden, desto herausfordernder wird die technische und technologische Umsetzung“, sagt Gritsch.

An weiteren Varianten wird gearbeitet

Erste industrielle Maschinen sind bereits in Produktion. Es wird auch an einer Variante aus Cookie-Teig und an weiteren Rezepturen gearbeitet, die sich durch einen außergewöhnlich guten Geschmack auszeichnen – zum Beispiel aromatisiert mit Kakao, Vanille, Karamell oder Schokodrops.

Gritsch strebt Doktorat an

Lea Gritsch hat vor ihrem Lebensmitteltechnologie-Studium ein Gymnasium mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt absolviert. „Ich wollte diesen Schwerpunkt weiterverfolgen. Das LTE-Studium in Wels hat mich angesprochen, weil es an einer technischen Fachhochschule angesiedelt ist und sehr breit gefächert ist. Ganz besonders haben mir die Vortragenden aus den Industrieunternehmen gefallen. Durch ihre Erfahrungen aus der Praxis ist das theoretische Wissen viel leichter verständlich“, sagt Gritsch.

Nun zieht es sie nach Wien. Sie hat bereits eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am FH Campus Wien angenommen und strebt im Bereich Packaging Technology and Sustainability eine Dissertation an.

Die Lebensmitteltechnologie und Ernährung-Absolventin Lea Gritsch mit dem entwickelten essbaren Kaffeebecher.

v.l.n.r.: Mag. (FH) DI Dr. Herbert Wiesinger, FH-Prof. Dr.-Ing. Katrin Mathmann, Lea Gritsch MSc, Studiengangsleiter FH-Prof. DI Dr. Otmar Höglinger (alle FH OÖ Campus Wels), DDI Dr. Victoria Krauter (FH Campus Wien)

Ein essbarer Kaffeebecher muss dicht und formstabil, essbar und schmackhaft sein.

Ein essbarer Kaffeebecher muss dicht und formstabil, essbar und schmackhaft sein.