FH OberösterreichUniversity of Applied Sciences Upper Austria

News/Aktuelles FH Oberösterreich

FH Oberösterreich will „Kultur des Scheiterns“ etablieren

„Hinfallen, wieder aufstehen, Krone richten, weitergehen“ – auf diese einfache Formel bringt man oft die vorherrschende Mentalität in den USA, die das Scheitern von Forschungsprojekten oder Unternehmensgründungen als kreative Basis für den erfolgreichen Zweitversuch ansieht. Die Konferenz „Schiffbruch 2016“ am Campus Linz war am 13. April der Startschuss der FH Oberösterreich, um auch hierzulande mehr Erkenntnisse aus dem Scheitern zu ziehen und gerade dadurch besser zu werden.


„Ich kenne Studien die besagen, jene Unternehmen in denen rund 20 Prozent der Projekte scheitern, wären am Ende die innovativsten“ bringt FH-Prof. PD Dr. Johann Kastner, Forschungschef der FH Oberösterreich, seine Erfahrungen aus internationalen Kontakten auf den Punkt. Gerade in der Forschung darf für Kastner das Scheitern keine Katastrophe sein, weil erfolgreiche Forschung und Entwicklung zwangsläufig das Beschreiten neuer Wege erfordere. Diese Wege seien dann ebenso zwangsläufig mit Risiko behaftet. Für die FH Oberösterreich kündigte Kastner strukturierte Lernprozesse aus gescheiterten Forschungsprojekten an, die auch publiziert werden sollen.

Als Plattform dafür bietet sich das deutsche Magazin „Journal of Unsolved Questions“ (JUnQ) an, deren Führungsmitglied Nicola Reusch bei der Veranstaltung hervorhob, der Publikationsdruck in der Forschung würde die Wissenschaftsszene zum Teil in die falsche Richtung lenken. Nur weil man gegen „Selbstzitierer, Zitierkatelle und verständnisloses Publikum“ nicht immer ankäme, habe man nicht zwangsläufig Fehler gemacht. Außerdem hat in der Wissenschaft schon immer auch der Zufall Regie geführt, wie die Erfindung des Penicillins oder die Entdeckung Amerikas untermauern.

Gründergeist stärken

Wirtschaftslandesrat Dr. Michael Strugl forderte mehr Gründergeist in Oberösterreich, „nicht nur der volkswirtschaftlichen Effekte wegen, sondern auch weil jede Neugründung gleichzeitig für eine neue Idee im Land steht“. Er verwies auf die vorhandene Dichte an Förderinstitutionen, die aber angesichts mentaler Barrieren nur bedingt belebend wirke.

Angst vor dem Stigma

In der österreichischen Kultur bringt Scheitern – auch wenn es durch äußere Umstände verursacht wird – stets das Stigma des Versagens mit sich, wie der Leiter des Transferzentrums der FH Oberösterreich, Dr. Gerold Weisz bedauerte. Weil man sich außer vor prekären finanziellen Folgen auch vor den Leuten fürchten müsse, die „es eh schon immer gewusst haben“, wage man eine Unternehmensgründung erst gar nicht.

Wagemut bewiesen im Rahmen der Konferenz indes etablierte Forscher aus Oberösterreich und Absolventen der FH Oberösterreich: Sie berichteten offen, wie sie bei Projekten oder Gründungen auch mal auf das falsche Pferd gesetzt haben. Dieses Schicksal teilen sie mit dem zweiten Keynotespeaker des Abends, dem Buchautor Ingo Niermann. Sein mit Partnern geplantes Projekt einer Grabespyramide im ostdeutschen Dessau hat sich bislang – nicht ganz unerwartet – nur durch eines ausgezeichnet: durch Scheitern.

(v.l.) Gerold Weisz, Leiter des Transferzentrums für Unternehmensgründung an der FH OÖ, Ingo Niermann, Nicola Reusch (beide Referenten), Johann Kastner, Leiter der FH OÖ Forschungs- und Entwicklungs GmbH; Karl Kletzmaier, Vorsitzender des F&E-Beirates der FH OÖ. Bildquelle: FH OÖ/ Bernhard Plank