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Im Forschungslabor der gesunden Wirkung von Pflanzen auf der Spur

Im neuen Josef Ressel Zentrum für phytogene Wirkstoffforschung am Welser Campus der Fachhochschule OÖ wird bis 2023 erforscht, welche pflanzlichen Inhaltsstoffe der Gesundheit von Mensch und Tier förderlich sind. Das Budget von rund 1,3 Millionen Euro wird von den beteiligten Unternehmen und dem Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort BMDW gemeinsam finanziert.


Derzeitige Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als 28.000 verschiedene Pflanzenarten medizinische Wirkungen aufweisen. Guaven- und Gänseblümchen-Extrakte beispielsweise senken den Blutzuckerspiegel. Faktum ist aber auch, dass in der heutigen Medizin beziehungsweise Ernährung nur ein Bruchteil der tatsächlich bioaktiven, pflanzlichen Wirkstoffe bekannt ist. Hier setzt das neue Josef Ressel (JR)-Zentrum am Welser Campus der FH OÖ an. In diesem Forschungszentrum werden diese Wirkstoffe zur Prävention und therapeutischen Begleitung menschlicher Zivilisationskrankheiten sowie zur Verbesserung der Tiergesundheit und –leistung untersucht. „Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Identifikation bioaktiver Pflanzenstoffe. Diese phytogenen Wirkstoffe sind pflanzliche Substanzen, etwa aus Kräutern und Gewürzen, welche für die Gesundheit von Mensch und Tier entscheidende Vorteile bieten“, erklärt Zentrumsleiter FH-Professor Dr. Julian Weghuber. Ihm und 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stehen dafür in den nächsten fünf Jahren rund 1,3 Millionen Euro Forschungsbudget zur Verfügung. 

 

Wirtschaftsministerium fördert JR-Zentrum

In Josef Ressel Zentren wird anwendungsorientierte Forschung auf hohem Niveau betrieben. Hervorragende Forscherinnen und Forscher kooperieren dazu mit akademischen Partnern und innovativen Unternehmen (siehe Info-Kasten). Für die Förderung dieser Zusammenarbeit gilt die Christian Doppler Forschungsgesellschaft international als Best Practice Beispiel. Josef Ressel Zentren, und damit auch jenes in Wels, werden von den beteiligten Unternehmen und dem Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort BMDW gemeinsam finanziert.

„Josef Ressel Zentren sind wichtige Schnittstellen von Fachhochschulen und Unternehmen, sie schaffen einen Mehrwert für alle Beteiligten“, erklärt Dr. Margarete Schramböck, Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort.  „Die Unternehmenspartner profitieren von der wissenschaftlichen Kompetenz der Fachhochschulen, die wiederum das praktische Know-how der Unternehmen optimal nützen können -  so auch hier in Zusammenhang mit pflanzlichen Wirkstoffen“.

 

Wirkstoffe für Mensch und Tier

Bei dem Forschungsprojekt in Wels geht es darum, wissenschaftliche Grundlagen für den Einsatz von phytogenen Substanzen in der menschlichen Ernährung und Tiermast zu legen. „Wir untersuchen unter anderem, welche pflanzlichen Wirkstoffe zur Prävention und therapeutischen Begleitung von Erkrankungen wie Adipositas und Diabetes geeignet sind. Diese Krankheiten gewinnen global stark an Bedeutung“, erklärt Weghuber. Der Leiter des Projektes verweist in diesem Zusammenhang auf wissenschaftliche Belege, dass phytogene Lebensmittelbestandteile beziehungsweise isolierte phytogene Substanzen einen positiven Einfluss auf die menschliche Gesundheit aufweisen, wenn sie als Teil der täglichen Ernährung konsumiert werden. „Aber es sind noch viele Fragen ungeklärt. Weiteren Studien und Forschungen zur Klärung möglicher funktioneller Wirkungsweisen kommt daher eine wesentliche Bedeutung zu“, sagt Weghuber.

Das betrifft auch jene phytogenen Substanzen, die in den vergangenen Jahren als bioaktive Zusatzstoffe für Futtermittel in der Tierzucht und Mast enorm an Bedeutung gewonnen haben. Nicht zuletzt durch das Verbot von Antibiotika als wachstumsfördernder Zusatzstoff für Futtermittel. „In diesem Zusammenhang werden phytogene Stoffe als möglicher und natürlicher Ersatz diskutiert. Ihre Wirkungsweisen und mögliche Anwendungsgebiete sind jedoch bei weitem noch nicht zur Gänze erforscht“, erklärt Prof. Weghuber einen weiteren Arbeitsschwerpunkt des Josef Ressel Zentrums am Campus Wels der FH OÖ.

 

 

Möglichkeiten für Studierende

Zu den Profiteuren des neuen Zentrums gehören auch Studierende. Und zwar durch wissenschaftliche Forschung mit hohem Anspruch und Zukunftschancen durch die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen. „Einerseits entstehen interessante Themenstellungen für Bachelor- oder Masterarbeiten im Studiengang Lebensmitteltechnologie und Ernährung. Andererseits können durch die Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft wichtige Kontakte zu den Firmenpartnern geknüpft werden“, so Projektleiter Julian Weghuber. Eben diese Verknüpfung ist auch Oberösterreichs Wirtschafts- und Forschungslandesrat Markus Achleitner ein großes Anliegen. Vor allem in jenem Bereich, in dem das JR-Zentrum für phytogene Wirkstoffforschung nun aktiv ist. „Lebensmittel und Ernährung sind Schwerpunkte im aktuellen oberösterreichischen Strategieprogramm Innovatives OÖ 2020. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass Oberösterreich eine in Europa führende Region für die Entwicklung, nachhaltige Erzeugung und Vermarktung hochwertiger Lebensmittel wird“, erklärt Markus Achleitner und spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Stärkung der Wirtschaftsleistung Oberösterreichs.

 

Die Partner des Welser JR-Zentrums

Das Josef Ressel Zentrum für phytogene Wirkstoffforschung ist ein von FH-Professor Dr. Julian Weghuber geleitetes Projekt des fakultätsübergreifenden Exzellenzzentrums für Lebensmitteltechnologie und Ernährung an der FH OÖ, Campus Wels. Die für die Forschung notwendigen Bioinformatik-Anwendungen werden am FH OÖ Campus Hagenberg entwickelt, ein weiterer akademischer Partner ist die Technische Universität Wien. Unternehmenspartner des JR-Zentrums sind die Unternehmen agromed Austria GmbH, Delacon Biotechnik GmbH (beide aus Oberösterreich) und die PM International AG (Luxemburg). 

v.li.ne.re. Dr. Tobias Kühne (GF PM International), Dr. Helmut Grabherr (GF Agromed Austria), Dr. Andreas Müller (Head of R&D Delacon Biotechnik), FH-Prof. PD DI Dr. Johann Kastner (GF FH OÖ Forschung & Entwicklung), FH-Prof. Dr. Julian Weghuber (Leiter des Josef Ressel Zentrums für Phytogene Wirkstoffforschung, FH OÖ), Landesrat Markus Achleitner (Land OÖ), Univ.Prof. Dr. Reinhart Kögerler (Präsident der Christian Doppler Forschungsgesellschaft) eröffnen das Josef-Ressel-Zentrum am FH OÖ Campus Wels. Bildquelle: B.Plank – imBilde.at, Abdruck honorarfrei

Bildunterschrift: Die Firmenpartner des Josef-Ressel-Zentrums für Phytogene Wirkstoffforschung: v.li.n.re. Dr. Helmut Grabherr (GF Agromed Austria), Dr. Andreas Müller (Head of R&D Delacon Biotechnik), FH-Prof. Dr. Julian Weghuber (Leiter des Josef Ressel Zentrums für Phytogene Wirkstoffforschung, FH OÖ), Dr. Tobias Kühne (GF PM International), Paul Spagnuolo Ph.D. (University of Guelph, Department of Food Science) Bildquelle: B.Plank – imBilde.at, Abdruck honorarfrei

Bildunterschrift: Die Lebensmitteltechnologen der FH OÖ Wels forschen an pflanzlichen Wirkstoffen. Bildquelle: B.Plank – imBilde.at, Abdruck honorarfrei

Bildunterschrift: FH-Prof. Dr. Julian Weghuber (Leiter des Josef Ressel Zentrums für Phytogene Wirkstoffforschung, FH OÖ), Landesrat Markus Achleitner (Land OÖ) mit dem Keynote-Speaker Paul Spagnuolo Ph.D. (University of Guelph, Department of Food Science) Bildquelle: B.Plank – imBilde.at, Abdruck honorarfrei