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FH OÖ-Forscher Markus Gerschberger erhält renommiertes Erwin-Schrödinger-Forschungsstipendium

Nur sehr wenige österreichische Wissenschaftler erhalten für ihre Forschung ein Erwin-Schrödinger-Auslandsstipendium. Der Logistik-Forscher Dr. Markus Gerschberger, der aktuell auch im Covid-Krisenstab die Bundesregierung im Thema Versorgungssicherheit berät, forscht gemeinsam mit seinen amerikanischen Kolleg*innen vom Georgia Institute of Technology zum Thema „Komplexität in Netzwerken“. Markus Gerschberger ist der erste Schrödinger-Stipendiat der FH OÖ und der dritte mit FH-Affillation insgesamt.


Die Komplexität von Netzwerken verstehen und nutzen

„Je mehr Produkte ich anbiete, je mehr Standorte ich habe, mit je mehr Lieferanten ich zusammenarbeite, umso breiter bin ich aufgestellt und umso wahrscheinlicher ist es (wenn es richtig gemacht wird), dass ich mit Störungen besser umgehen kann, bzw. mehr Kunden ansprechen kann“, erklärt Preisträger Markus Gerschberger sein Forschungsthema Komplexität von Netzwerken verstehen. „Dieses ‚Mehr‘ kommt zu einem Preis – höhere Kosten, höherer Abstimmungsaufwand etc. vereinfacht gesagt: höhere Komplexität im Netzwerk. Unser Forschungsteam versucht eine Methode zu entwickeln, die es Unternehmen erlaubt ‚gute‘ (=stiftet Nutzen) von ‚böser‘ Komplexität (=Nutzen ist geringer als die verursachten Kosten) zu unterscheiden“.

„Es ist eine große Anerkennung für meine Arbeit, dass ich ein Erwin-Schrödinger-Stipendium erhalten habe“, freut sich der Forscher. „Ich habe mich mit meinen Forschungspartnern von der US University Georgia Tech, konkret der H. Milton Stewart School of Industrial and Systems Engineering, um das Stipendium beworben. Forschungsthema ist die Komplexität von Netzwerken. Professor Benoit Montreuil von der Georgia Tech ist der perfekte Partner für meinen Forschungsschwerpunkt, weil er ein ähnliches aber viel größeres Labor – das Physical Internet Lab an der Georgia Tech – betreibt. Damit kann ich meinen Forschungsschwerpunkt, der auch zentral in meinem Josef Ressel Zentrum ist, gemeinsam mit internationalen Partner vorantreiben. Ein besonderer Dank gilt auch der FH OÖ, die mir diese Chance erst ermöglicht hat“, so Dr. Markus Gerschberger.

„LIVE“ auf Probleme reagieren

Markus Gerschberger leitet seit 2019 das Josef Ressel Forschungszentrum „LIVE“ am FH OÖ Campus Steyr. Hier wird bis Ende 2023 an der Entwicklung eines Monitoring-Tools zur beinahe Echtzeit-Visualisierung von Wertschöpfungsnetzwerken geforscht. Unternehmen können damit in Zukunft sofort auf interne wie auch externe Probleme reagieren, Produktionsstillstände reduzieren und dadurch den finanziellen Verlust einer Störung minimieren. Die Erkenntnisse werden Unternehmen helfen, die Auswirkungen von Logistikproblemen zu reduzieren.

Versorgungssicherheit in Zeiten von Corona sicherstellen

Der Logistik-Forscher unterstützt mit seinem Know-how auch den Covid-Krisenstab des Bundesministeriums. In Kooperation mit Forschungspartnern werden, basierend auf der Forschung im Josef Ressel Zentrum, Analysen zur Versorgungssicherheit der Bevölkerung entwickelt. Durch die Vernetzung der Daten von Herstellern, Handel und Haushalten sollen Versorgungsengpässe zeitgerecht erkannt und vermieden werden.

Das Erwin-Schrödinger-Auslandsstipendium wird an hochqualifizierte junge Wissenschafter*innen aller Fachdisziplinen aus Österreich verliehen und soll die Mitarbeit an führenden Forschungseinrichtungen im Ausland und den Erwerb von Auslandserfahrung in der Postdoc-Phase fördern. Das Programm wurde 1985 gestartet. 2017 und 2018 erhielten österreichweit 53 Forscher*innen dieses Stipendium, 2019 erhielten 50 diese Unterstützung und 2020 sind bis dato 29 Personen ausgewählt worden. https://www.fwf.ac.at/de/forschungsfoerderung/fwf-programme/schroedinger-programm/

Forschungspartner Georgia Institute of Technology

Das Georgia Institute of Technology ist eine der renommiertesten technischen Hochschulen weltweit. In 142 Studiengängen auf Bachelor-, Master- und Promotionsebene werden an der Georgia Tech mehr als 27.000 Studenten aus allen 50 Bundesstaaten, Washington D.C. und Puerto Rico sowie aus 102 Nationen ausgebildet. Georgia Tech weist ein jährliches Forschungsvolumen von mehr als 1 Milliarde US-$ auf.

Zur Person:

Dr. Markus Gerschberger, 38 aus Steyr, studierte am FH OÖ Campus Steyr das Diplomstudium „Produktion und Management“, seine Dissertation absolvierte er an der Wirtschaftsuniversität Wien. Seit 2007 forscht er am Logistikum der FH OÖ in Steyr, seit 2014 hat er eine Professur für Supply Chain Management.

Markus Gerschberger am amerikanischen Campus Georgia Institute of Technology. (c)privat

Portrait Markus Gerschberger (c)privat

Markus Gerschberger, Leiter des Josef Ressel Forschungszentrum „LIVE“, zeigt eine Simulation eines Wertschöpfungsnetzwerkes. (c)privat