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Agrar-Studenten gewinnen internationalen Ideenwettbewerb „Bodenschmiede“ in Berlin

Vier Studierende des Welser FH OÖ Studiengangs Agrartechnologie und -management gewinnen den internationalen Ideenwettbewerb „Bodenschmiede“ in Berlin. Ziel dieses Wettbewerbes ist es, nachhaltige Lösungen für die Zukunft des Ackerbaus zu identifizieren und umzusetzen. Sebastian Kammermeier, Matthäus Fischer, Johannes Pillgrab und Michael Söllinger setzten sich gegen 60 Mitbewerber erfolgreich durch. Am 9. Juni stimmten fast die Hälfte der rund 300 Online-Zuschauer für die Idee aus Österreich. Weitere Finalisten waren die Hochschule für Technik in Rapperswil (Schweiz), die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg und vier innovative Start-ups aus Deutschland.


 „Unsere Landwirtschaft braucht Innovationen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Unser Agrartechnologie und -management-Studiengang in Wels liefert die notwendigen Kompetenzen, eröffnet aber auch Räume für neue Ideen. Es ist sehr beachtlich, dass bereits zwei Jahre nach dem Start des Studienganges ein derartiges internationales Ausrufezeichen gelang. Zu diesem beachtlichen Erfolg möchte ich herzlich gratulieren“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Wintergerste und Soja gleichzeitig auf einem Feld

Das Konzept des gezielten Mischanbaus „Relay Intercropping“ haben die Agrar-Studenten unter Anleitung des FH-Lektors Dr. Martin Ziegelbäck auf einer Versuchsfläche in Steinhaus bei Wels getestet.

„Beim ‚Relay Intercropping‘ werden zwei oder mehr Kulturen für einen bestimmten Zeitraum auf demselben Feld angebaut. Sie werden aber nicht unbedingt gleichzeitig gesät oder geerntet“, erklärt Sebastian Kammermeier. „In einem Versuch haben wir Soja als Sommerung in einen bestehenden Bestand Wintergerste eingesät. Die Doppelbelegung führte unter anderem zu höheren Naturalerträgen, besserer Stickstoffversorgung des Bodens und mehr Biodiversität“, berichtet Matthäus Fischer weiter. „So wird die gesamte Vegatationsperiode für eine Kultivierung von zwei oder mehreren Hauptfrüchten verwendet“, erklärt Johannes Pillgrab. „Dieses Konzept bedarf bei Sä- und Erntetechnik jedoch innovative Agrartechnologien. Diese entwickeln wir zurzeit weiter“, sagt Michael Söllinger.

Die im Frühling eingesäte Soja wächst somit mit dem Getreide bis zur Getreideernte mit. Aufgrund der Beschattung durch das Wintergetreide wird der Unkrautdruck bei Soja sehr gering gehalten, ohne jedoch die Soja selber am Wachsen zu hindern. Nachdem das Getreide bei großer Schnitthöhe geerntet wurde, ist die Soja gut entwickelt und kann Licht und Wärme der Sommer- und Herbstmonate bis zur Ernte in Ertrag umsetzen. In der Schweiz, USA oder auch in Südamerika werden auch bereits erfolgreiche Versuche zum Anbausystem „Relay Intercropping“ vermeldet. Eine Versuchsfläche in Oberösterreich wurde angelegt und die ersten Ergebnisse sind sehr vielversprechend.

Höhere Flächenproduktivität und Schonung der Umwelt sind kein Widerspruch

„Dieses neuartige Ackerbausystem hat viele Vorteile: Es führt zu einer höheren Stickstoffversorgung des Bodens und verringert dadurch den Düngeeinsatz, es erfolgt ein besserer Humusaufbau durch mehr anfallende Biomasse, die Produktivität pro Quadratmeter ist höher, die Erosionsgefahr der Böden ist durch längere Bodenbedeckung geringer und die gesamte Biodiversität verbessert das Bodenleben und stärkt die Pflanzen“, freut sich Studiengangsleiterin Dr. Claudia Probst mit ihren erfolgreichen Studenten.

Neue technische Konzepte sind erforderlich

Nur durch einen angepassten Reihenabstand und eine innovative Sätechnik können in beiden Kulturen optimale Erträge erwirtschaftet werden. „Unterschiedliche Kulturen erfordern unterschiedliche Reihenabstände. Die Sämaschinen sollen sich in Zukunft den ändernden Ansprüchen flexibel anpassen können. Im Frühjahr müssen sie einen unbearbeiteten Boden neben der Wintersaat lockern, säen und wiederverschließen“, sagt Matthäus Fischer und fügt hinzu: „Auch das Schneidwerk, die Bereifung und der Umgang mit den Ernteresten muss darauf abgestimmt sein.“ Diese vielfältigen Aufgaben werden nun in Folgeprojekten von den Studierenden weiterentwickelt.

Internationaler Ideenwettbewerb

Die „Bodenschmiede“ ist ein Ideenwettbewerb mit dem Ziel, nachhaltige Lösungen für die Zukunft des Ackerbaus zu identifizieren und umzusetzen. In Kooperation mit Horsch Maschinen und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf werden mit diesem Bewerb Ideen und Konzepten von Landwirten, Start-Ups und Studierenden gesucht.

Der Ackerbau in Westeuropa steht vor großen Herausforderungen: Wetterextreme, weniger verfügbare Wirkstoffe, sinkendes Vertrauen der Gesellschaft und das alles bei offenen Märkten und internationalem Wettbewerbsdruck. „Wir müssen die Landwirtschaft verändern und das Beste aus der ökologischen und konventionellen Landwirtschaft zusammenbringen. Die dafür notwendigen Ideen wollen wir gemeinsam entwickeln. Im Rahmen des Wettbewerbs werden die Beiträge in drei Kategorien bewertet: Neue Anbausysteme, neue Geschäftsmodelle und neue Technologien“, sagt der Chef-Organisator Matthias Lech.

https://www.farm-and-food.com/bodenschmiede/live-pitch-bodenschmiede/

Jetzt informieren und bewerben

Derzeit läuft die Bewerbungsphase für den FH OÖ-Studiengang Agrartechnologie und -management am Campus Wels. Interessierte können sich jetzt unter www.fh-ooe.at/agr informieren und bewerben.

Die erfolgreichen Agrartechnologie und -management-Studenten (v.l.n.r.): Sebastian Kammermeier, Matthäus Fischer, Johannes Pillgrab und Michael Söllinger

Die Agrartechnologie und -management-Studenten im Versuchsfeld in Steinhaus bei Wels.

Wintergerste und Sojapflanzen wachsen gleichzeitig auf einem Feld.