FH OberösterreichUniversity of Applied Sciences Upper Austria

Vorträge

Marianne Gronemeyer

„Werte-Wille-Widerstand“
Ob wir gute Arbeit leisten, wenn wir das, was von uns verlangt und wofür wir bezahlt werden, professionell, regelgerecht und effektiv erledigen, wird immer fragwürdiger. 'Professionell' heißt, wenn wir auf die ursprüngliche lateinische Wortbedeutung zurückgehen, 'bekennend'. Wozu bekennen wir uns unter heutigen Gegebenheiten, wenn wir professionell arbeiten? In erster Linie zu einer ökonomischen, profitträchtigen Rationalität mit allen damit verbundenen Anpassungszwängen. Das heißt, um freundlicher zu werden, müsste Soziale Arbeit sich entprofessionalisieren.

Prof. Walter Lorenz

„Professionalität in den Sozialen Professionen als gesellschaftspolitische Aufgabe“
Angesichts tief greifender sozialpolitischer Veränderungen, die soziale Spaltungen vertiefen, ist ein Professionsverständnis gefordert, das Expertise und Autonomie mit partnerschaftlicher Verantwortung verbindet, auf der Ebene personbezogener Interventionen wie auch auf der des politischen Engagements. Zu diesem Zweck untersucht der Beitrag die heutige Aufgabe des „Sozialen“ als partizipativen Gestaltungsauftrag.

Maxi Obexer

„Verborgene HelferInnen – Wenn die Hilfe der SozialarbeiterInnen über den Rahmen des Legalen hinausreicht“
Der Vortrag sammelt Erfahrungsberichte von HelferInnen und berichtet von ihrer Solidarität, ihrem Mut und ihrer menschlichen Eigenständigkeit. In der verzweifelten Notlage, in der Flüchtlinge, Asylsuchende und Illegalisierte sich vielfach befinden, erfahren sie oft die einzige Menschlichkeit von Einzelnen, die ihnen Hilfe, Schutz und Beratung zukommen zu lassen. Ihr Helfen spielt sich im Verborgenen ab, es verläuft still, wird kaum honoriert und bedeutet meist einzelne Verantwortung und individuelles Engagement. Ihre Entscheidung zu helfen, ist Ausdruck von Werten und Überzeugungen, die in jeder Person einzeln wurzeln.

Die Hilfe ist mannigfach, doch immer elementar. Sie reicht von der einfachen Unterstützung, dem Bereitstellen von Unterkunft und Verpflegung, über die medizinische Versorgung bis hin zur juristischen Beratung im Asylverfahren oder innerhalb illegaler Arbeitsverhältnisse.

Wir erfahren von der Erfahrung der Grenzüberschreitung in den illegalen Bereich, von der Angst um die eigene gesicherte Existenz, von der Paranoia, in die auch sie eintauchen, wenn sie Seite an Seite mit den Betroffenen gegen deren Abschiebung kämpfen, von der Verzweiflung und der Wut auf die unmenschlichen Strukturen, von den einzelnen, versteckten Ausnahmen unter den Hütern des Rechts. Aber auch von den Augenblicken des Glücks und sogar von der Schönheit einzelner Momente, die man in Zeiten der Angst miteinander verbracht hat.

Elias Bierdel

"Europa – hart an der Grenze"
Anhand von zahlreichen, exklusiven Fotos und Dokumenten beschreibt Elias Bierdel die von der Öffentlichkeit weitgehend ignorierten Zustände an den europäischen Außengrenzen. Bierdel zeigt auf, welche Formen die "Festung Europa" angenommen hat – und mit welchen Mitteln an den Grenzen Flüchtlinge und MigrantInnen daran gehindert werden, auf EU-Territorium zu gelangen. Ausgehend von eigenen Erfahrungen an Bord des deutschen Hilfsschiffs "Cap Anamur", dem im Juni 2004 die Rettung von 37 afrikanischen Schiffbrüchigen gelang, nimmt uns Bierdel mit auf eine Reise an die Ränder Europas, wo im Dienste vermeintlicher "Sicherheitsinteressen" ein Menschenleben für die Strategen der Abwehr oft nicht mehr zählt. Dabei steht vor allem die fragwürdige "Grenzsicherung" auf See mit ihren tausenden, anonymen Opfern im Mittelpunkt. Aber auch die hochgerüsteten Zäune um Ceuta und Melilla, das Elend der Abschiebelager und die eskalierende Gewalt an den Land-Grenzen werden geschildert.

Gabriele Lindner

Moderation „Open Space"Open Space ist eine Tagungsmethode, die vom Engagement der (vielen) TeilnehmerInnen lebt.  Es geht darum, einen „offenen Raum“ zu schaffen, der es erleichtert ins Gespräch darüber zu kommen, was eineN bewegt. Eine Minimalstruktur soll ein hohes Maß an Freiheit und die Möglichkeit zur Selbstorganisation sicherstellen. Die Ergebnisse aus den Gesprächsprozessen werden dokumentiert und können damit Grundlage für Vereinbarungen und für die Weiterarbeit am Thema sein.