FH OberösterreichUniversity of Applied Sciences Upper Austria

Wissenschaftlicher Hintergrund

Was ist Hochschulforschung?

Hochschulforschung als interdisziplinäre Forschung über die Hochschule integriert verschiedene Disziplinen und Forschungsfelder. Sie bedient sich der relevanten methodischen und theoretischen Grundlagen der Soziologie, Politikwissenschaft und Pädagogik und behandelt damit Forschungsfelder der Bildungs-, Wissenschafts- und Organisationsforschung. Darüber hinaus steht sie in Verbindung mit verwaltungs-, rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fragestellungen und empirischer Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (vgl. Pasternack 2006).

Hochschulforschung definiert sich über ihren Gegenstand, die Hochschule. Dementsprechend breit sind die Themen des Forschungsfeldes (vgl. Teichler 2008): Die quantitative-strukturellen Aspekte umfassen Themen wie die Zulassung zum Studium oder Elite- vs. Massenhochschule. Zu den wissens- und fachbezogenen Themen zählen die Fragen der Disziplinarität vs. Interdisziplinarität oder das Verhältnis zwischen Lehre und Forschung. Personen- und lehr- und lernbezogene Thematiken sind zum Beispiel fachliche- und psychologische Studierendenberatung und die Analyse unterschiedlicher Lehr- und Lernstile. Zum Themenkreis Institution, Organisation und Governance zählen Fragen der Planung, Administration, Finanzierung und des Managements von Hochschulen.

Was ist Hochschulorganisationsentwicklung?

Im Allgemeinen „[…] ist Organisationsentwicklung ein geplanter, systematischer Prozess, mit dem eine bestehende Organisation als soziales System verbessert werden soll.“ (Pellert 2008, S. 136) Bei der Entwicklung von Hochschulen ist es wichtig die Spezifika dieses Organisationstyps zu kennen, zu verstehen und zu berücksichtigen (vgl. Pellert 2006):

  • Hohe individuelle Autonomie: In Hochschulen liegt die fachliche Kompetenz, also das Kapital der Organisation, bei den Experten. 
  • Dominanz der Disziplin: Karrierelogik, Loyalität und Bindung sind eher an den Fachbereich als an die gesamte Organisation geknüpft. 
  • Spezialisierung und Fragmentierung: Das Wissen ist sehr spezialisiert, es herrschen verschiedene, fachspezifische Kulturen und innerhalb der Organisation sind die Einheiten nur lose gekoppelt. 
  • Ungeliebte Verwaltung: Verwaltungsaufgaben sind tendenziell ungeliebt. Das Interesse an der Organisationsentwicklung geht eher vom Management und der Verwaltung als vom wissenschaftlichen Personal aus. 
  • Selbstkontrolle: Die eigene Kontrolle der Experten ist besonders wichtig für die Qualität und Leistung der Organisation.

Für die Entwicklung der Fachhochschule sind darüber hinaus Anforderungen von außen ausschlaggebend. Wichtige Spannungsfelder sind dabei die Schnittstelle Studium/Lehre, Wissenschaft/Wirtschaft und Politik. Ferner sollen verschiedene langfristige gesellschaftliche Entwicklungen Berücksichtigung finden.

Aus diesen Besonderheiten und Anforderungen, die in unterschiedlicher Ausprägung auch an der FH OÖ zu beobachten sind, ergeben sich verschiedene Themenbereiche für die Organisationsentwicklung. Beispiele dafür sind die Förderung fakultäts- und fachbereichsübergreifender Zusammenarbeit in der Lehre und Forschung, die Verbesserung der Kooperation zwischen akademisch-wissenschaftlichem Bereich und Verwaltung, hochschuldidaktische Angebote für Lehrende, Hochschulkooperationen in Forschung und Lehre oder Projekte zum Thema Diversity, Migration und Nachhaltigkeit. 

Integration Hochschulforschung und –entwicklung

Der Vorteil der Integration von Hochschulforschung und –entwicklung liegt darin, Entscheidungen über konkrete Projekte in der Organisationsentwicklung eine wissenschaftliche fundierte, objektivere Basis zu geben.

Zum einen soll das Erkennen von Problemen und Entwicklungspotentialen durch den Blick nach außen erleichtert werden. Auf der organisationalen Ebene kann dies bedeuten, dass weitere Dimensionen einer Ausgangslage sichtbar gemacht werden und die Analyse von langfristigen Trends oder vergleichbaren Fällen in anderen Hochschulen die Entscheidung über Veränderungen erleichtern können. Durch die Berücksichtigung der Erkenntnisse institutioneller Hochschulforschung können die Wirkung von Maßnahmen der Hochschulentwicklung besser vorausgesagt und unerwünschte Folgen von Veränderungsprojekten vermieden werden (vgl. Pasternack 2009).

Zum anderen hat die praxisorientierte Hochschulforschung auf organisationsindividueller Ebene zum Ziel, durch die Bereitstellung von (Vergleichs-)Daten den IST-Zustand der Organisation sichtbar zu machen, allgemeinen Beobachtungen eine empirische Basis zu geben und gezielte Impulse zur Weiterentwicklung zu liefern.

Literatur

Pasternack, P. (2009): Zukunftsthemen der Hochschulforschung. Einige prognostische Blicke. In: Das Hochschulwesen 5/2009, S. 168 – 174.

Pasternack, P. (2006): Was ist Hochschulforschung? Eine Erörterung anlässlich der Gründung der Gesellschaft für Hochschulforschung. In: Das Hochschulwesen 3/2006, S. 105 – 112.

Pellert, A. (2008): Personalmanagement in Hochschule und Wissenschaft. Münster.

Pellert, A. (2006): Organisationsentwicklung. In: Pellert, A. (Hrsg): Einführung in das Hochschul- und Wissenschaftsmanagement. Ein Leitfaden für Theorie und Praxis. Bonn. S. 35 – 46.

Teichler, U. (2008): Zur Bedeutung von Absolventenstudien für die Hochschulforschung. Beitrag zur Arbeitstagung des Projekts „Studienbedingungen und Berufserfolg“ am 18. Feb. 2008 an der Universität Kassel.