FH OberösterreichUniversity of Applied Sciences Upper Austria

Wissenschaftlicher Hintergrund

© Gaisch & Aichinger (2016)

Wie versteht die FH OÖ Diversity Management?

Diversity Management wird an der FH OÖ forschungsgeleitet und ganzheitlich bearbeitet.

Das HEAD Wheel der FH OÖ (Higher Education Awareness for Diversity) wurde auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse als Referenzrahmen für ein ganzheitliches Diversity Management konzipiert und stützt sich auf ein in fünf Diversitätssegmenten (demografische, kognitive, fachliche, funktionale sowie institutionelle Vielfalt) untergliedertes, in sich vernetztes Bezugssystem. Damit will die FH OÖ für den tertiären Bildungsbereich eine ganzheitliche Diversitätskultur anregen, die alle oben angeführten Aspekte umschließt.

Das HEAD Wheel

Zur Professionalisierung, Erweiterung und Koordinierung der hochschulischen Diversity- Arbeit entwickelte die FH OÖ im Jahr 2015 das sogenannte HEAD Wheel als Basis für eine ganzheitliche Betrachtung von Diversität im Hochschulkontext. HEAD steht für "Higher Education Awareness für Diversity". Das Modell (in Form eines Rades - "Wheel") umschließt fünf, aus Sicht der FH OÖ für Hochschulmanagement relevante, Diversitäts-Aspekte. Die visualisierte Komplexitätsreduktion des HEAD Wheels soll einen holistischen Blick auf alle hochschulrelevanten Diversitätsaspekte ermöglichen:

Demografische Diversität beruht auf meist stabilen, gruppenbildenden Kategorisierungen und bezieht sich auf Merkmale wie Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, physische und psychische Beeinträchtigung, ethnische Herkunft, Religion und Weltanschauung. Im Sinne einer durchlässigen Hochschulpolitik wurden hier auch Aspekte wie soziale Mobilität und Bedürfnisse von nicht-traditionellen Studierenden mitgedacht, indem vor allem Schwerpunkte wie Diversifizierung und Individualisierung des Lehr/Lern-Angebots, erhöhte Sensibilität auf Bedarfe der Barrierefreiheit und Berücksichtigung von unterschiedlichen Bildungssozialisationen gesetzt werden.

Benachteiligte  Gesellschaftsgruppen unterliegen zumeist einem umfassenden Diskriminierungsschutz, was nicht nur dazu führt, dass strukturelle Barrieren und Diskriminierungsmechanismen abgebaut werden, sondern auch generell zur Förderung von Vielfalt beiträgt.

Das zweite Segment das im HEAD Wheel abgebildet ist, ist jenes der kognitiven Diversität, also jener Blick, der die Unterschiedlichkeiten als Ressource fokussiert. Die in Unternehmen oft rein ökonomische und ergebnisorientierte Perspektive auf unterschiedliche Wissens -und Wertestrukturen soll in Hochschulen um eine bildungsethische Facette erweitert werden und Kompetenzorientierung in den Mittelpunkt stellen. Das Lernen von und miteinander spielt hier eine wesentliche Rolle und unterschiedliche Problemlösestrategien, Denkweisen und Wahrnehmungsperspektiven sollen zu kreativen und innovativeren Lösungen führen. 

Fachliche Diversität als drittes Segment im HEAD Wheel bezieht sich zum einen auf die zielgerichtete konkrete Zusammenarbeit von unterschiedlichen Berufsgruppen und zum anderen auf das Überschreiten von disziplinären Grenzen durch den Rückgriff auf Modelle unterschiedlicher Provenienzen mit dem Ziel, heterogenes Wissen durch und mit Dialog zu generieren. Ein Austausch von fachlichen Expertisen und Perspektiven führt zu erhöhter Kreativität und Innovation und – im Hochschulkontext- zu mehr Exzellenz durch interdisziplinäre und transdisziplinäre Forschung.

Funktionale Diversität legt einen systemisch-internen Fokus auf organisationales Lernen durch dialogische Handlungskompetenz. Darunter verstehen wir die Fähigkeit, Themen und Aufgabenstellungen aus vielen verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und sinn- sowie nutzenstiftend im wechselseitigen Austausch zu gestalten. Für Hochschulen sind Cross-Funktionalitäten, also die Diversität im funktionalen Hintergrund, dann entscheidend, wenn Kompetenzentwicklung und Lernorientierung bei gemischten Teams im Vordergrund stehen und die Steigerung von Effizienz angestrebt wird.  Durch Cross-Fertilisation im Sinne eines gegenseitigen Erfahrungsaustausches und Expertisen-Abgleichs sollen kollektive Lernprozesse angeregt werden und ein Tunnelblick hinsichtlich einer der eigenen Abteilung vermieden werden.

Institutionelle Diversität als das fünfte Diversitätssegment soll den Vorteil von interorganisationaler Vielfalt aufzeigen und dabei eine systemisch extern-orientierte Gesellschaftsorientierung anstreben. Während Unternehmen vorwiegend einen ökonomischen Strategiebezug im Visier haben, gilt es beim Erfahrungsaustausch zwischen den unterschiedlichen Hochschulen auch kollektives Lernen für ein gemeinsames gesellschaftliches Ziel zu fördern um damit die Effektivität der geschnürten Maßnahmen zu steigern. 

Strukturverankerung und Kontextangebundenheit

Das HEAD Wheel stellt die Basis für eine ganzheitlich-systemische Verankerung von Diversity Management als Querschnittsmaterie in der Aufbau- und Ablauforganisation und für alle Zielgruppen der Hochschule dar. 

Es versteht sich als konstruktivistisches und system-theoretisches Diversity-Mainstreaming mit dem Ziel in seiner ganzheitlichen Form alle Paradigmen von Diversity Management zu adressieren und durch diese Gesamtbetrachtung soziale Nachhaltigkeit im Sinne der Third Mission der Hochschule zu forcieren.

Durch das HEAD Wheel soll ein mehrdimensionaler und intersektionaler Diversitätsansatz ermöglicht werden, der alle Steuerungs- und Leistungsprozesse der Hochschule beeinflusst. Die ganzheitliche Betrachtungsweise verdeutlicht die strukturelle und individuelle Vielfalt von Personen und Gruppen innerhalb der Hochschule und ihrer Stakeholder und zielt auf eine bewusste Förderung des Zusammenwirkens der unterschiedlichen Diversitätsaspekte ab. Dabei wird unmittelbarer Bezug zur Strategie, dem Entwicklungsplan, der Satzung, der Diversity Policy der FH OÖ sowie auf einschlägige europäische wie nationalstaatlich definierte bildungsstrategische Ziele hergestellt.

Das Hochschul-Management initiiert und beauftragt entlang des HEAD Wheels konkrete Projekte und Maßnahmen zur Etablierung des Diversitätsmanagements als profilbildende Querschnittsmaterie der Hochschulentwicklung.