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Der „Innovation Award FH Wels 2010“ ist vergeben

WELS. Bereits zum siebenten Mal wurde vor rund 300 Gästen im Minoritenkloster der „Innovation Award FH Wels“ vergeben. Mit dem vom FH-Förderverein Wels gestifteten Preis werden Diplomarbeiten, die konkrete industrielle Problemstellungen mit besonders innovativen Ideen lösen, ausgezeichnet. Das Publikum entschied sich mit Hilfe einer Applausmessung für den Sieger der Kategorie „Technik“. Michael Aigner sicherte sich den diesjährigen Innovation Award mit der Neuentwicklung einer kontrollierten Wohnraumlüftung aus Kunststoff für die Fa. Poloplast GmbH. In der Kategorie „Umwelt & Naturwissenschaften“ war Manuel Etzlsdorfer mit seiner Diplomarbeit zur Funkenvorabscheidung im Rauchgas von Biomasseheizungen siegreich. Die Kategorie „Wirtschaft & Innovation“ gewann Hannes Freudenthaler mit seiner Diplomarbeit im Bereich Einführung von Produktmanagement in KMU. Bereits zum zweiten Mal wurde heuer auch der Sonderpreis „Forschungsassistent des Jahres“ vergeben. Dabei setzte sich Roman Froschauer, Forschungsassistent im Bereich Automatisierungstechnik, gegenüber seinen Kollegen durch.

Verliehen wurden die Preise von Landesrätin Doris Hummer, dem Welser Vize-Bürgermeister Hermann Wimmer, der die Räumlichkeiten in den Minoriten zur Verfügung stellte, dem Fördervereins-Obmann Günter Rübig und dem Sparkassen-Vorstand Michael Rockenschaub.

Neuentwicklung einer kontrollierten Wohnraumlüftung
Der 24jährige Metall und Kunststofftechnik-Absolvent Michael Aigner hat im Auftrag des Kunststofftechnik-Unternehmens Poloplast in seinem Berufspraktikum und der anschließenden Diplomarbeit einen gesamten Produktentwicklungsprozess durchschritten und einen Kunststoff-Prototypen für ein dezentrales Wohnraumlüftungssystem mit Wärmerückgewinnung aus der Abluft entwickelt. Dieser ist derzeit einzigartig und bietet ein großes Marktpotenzial.

„Neben der kunststoffgerechten Konstruktion dieses Prototyps habe ich vor allem auf die maximale Wärmerückgewinnung, die Bedienerfreundlichkeit, den Wohnkomfort und auf die einfache Wartung des Gerätes Rücksicht genommen.“, erklärt Michael Aigner.

Bei dem entwickelten System handelt es sich um eine Be- und Entlüftungsvorrichtung für Wohnräume unter Ausnutzung der in der Raumluft beinhalteten Wärme. Das System arbeitet dabei im sogenannten regenerativen Prinzip, bei dem im ersten Zyklus verbrauchte warme Abluft durch einen Wärmeträger abtransportiert wird und diesen dabei erwärmt und befeuchtet. Im darauffolgenden Zyklus wird kalte Zuluft durch den zuvor erwärmten Wärmeträger geleitet, aufgeheizt und in den Raum abgegeben. Dieses ausgewählte System zeichnet sich durch höchste Wirkungsgrade und die Konstanthaltung der Raumluft aus.

Michael Aigner hat mit Hilfe der instationären Wärmeleitberechnung den idealen Werkstoff „Poloplast Keramikwärmespeicher“ ermittelt und am provisorischen Prüfstand der Poloplast GmbH getestet.

Leitfaden zur Einführung von Produktmanagement in KMU
Meist sind mittelständische Unternehmen Familienunternehmen, bei denen der Eigentümer nebenbei auch Produktmanager ist. Daher führen immer mehr KMUs eine eigene Abteilung Produktmanagement ein. „Ich habe dafür einen Leitfaden für das Kältetechnikunternehmen Hauser entwickelt und erfolgreich eingeführt.“, erklärt der 25jährige Linzer Hannes Freudenthaler.

Auf Basis einer umfassenden theoretischen Literaturstudie hat der Absolvent des Studienganges Innovations- und Produktmanagement eine Benchmarking-Studie bei erfolgreichen mittelständisch strukturierten Industrieunternehmen durchgeführt, um KMU-spezifische und vertiefende Aspekten zu identifizieren. Die gewonnen, gesamten Erkenntnisse hat Freudenthaler anschließend zu einem kompakten und in KMU realisierbaren Idealprozess zusammengefügt und im mittelständischen Kältetechnik-Produzenten Hauser GmbH so erfolgreich getestet und umgesetzt, daß er seither hauptberuflich für die Leitung des Produktmanagements bei Hauser zuständig ist.

Der von Freudenthaler entwickelte Implementierungsleitfaden kann nun bei  allen mittelständischen Unternehmen eingesetzt werden, die sich für eine Einführung von Produktmanagement entschieden haben.

Funkenvorabscheider für das Rauchgas
Biomasseheizanlagen zählen zu den erneuerbaren Energien, die stark gefördert werden. Die starke Zunahme der Verbrennung von Biomasse, zB Stückgut, Hackschnitzel oder Pellets, hat einen vermehrten Ausstoß von Feinstaub zur Folge. Biomasseverbrennungsanlagen sind mittlerweile nach dem Individualverkehr der zweite Hauptemittent von Feinstaub. Viele Heizkesselhersteller rüsten sich bereits jetzt mit speziellen Filtervorrichtungen der Fa. Aigner Absaugtechnik GmbH.

Glühende Funken im Rauchgas können den nachgeschalteten Filter beschädigen. Es kann sogar ein Filterbrand vorkommen. „Daher war es meine Aufgabe, eine möglichst kostengünstige Abscheidevorrichtung für den Funkenflug im Rauchgas zu entwickeln.“, erklärt der 25jährige Bio- und Umwetlttechnik-Absolvent Manuel Etzelsdorfer.

Mit Hilfe einer CFD-Strömungssimulation konnten die Gas-, Funken- und Partikelströmungen bei einer Biomasseheizanlagen mit einer Abgastemperatur von 200°C berechnet werden.
Nach der Auswahl eines geeigneten Abscheide-Zyklons hat Manuel Etzlsdorfer noch zusätzlich eine 90°-Umlenkung für die Rauchgas-Anströmung simuliert und mit zwei Leitblechen strömungstechnisch optimiert.

Dieser Funkenvorabscheider wird nun in einer Hackschnitzelanlage mit einem Leistungsbereich von 550 kW realisiert und gewährleistet damit eine optimale, dauerhafte Funktion der Abgasfilterung.  Als nächster Entwicklungsschritt ist die automatische Reinigung mittels Durckluftdüsen geplant, um Ablagerungen zu vermeiden.

Forschungsassistent des Jahres
Satelliten werden mit Hilfe von unterschiedlichsten Messgeräten, Sensoren und Aktoren noch am Erdboden genauestens vermessen, damit sie anschließend in der Umlaufbahn eine optimale Abstrahlungsleistung erreichen. Die dabei eingesetzten Messgeräte müssen bisher bei jeder Messung neu aufeinander abgestimmt werden.

Unter der Leitung von Roman Froschauer (28, Ried/Innkreis) wurde gemeinsam mit den Partnern EADS Astrium, AlpinaTec, logi.cals, Profactor und der TU Wien eine Methode entwickelt, bei der diese Abstimmung in Zukunft weitgehend automatisiert ablaufen wird. Diese neue Methode ist in der gesamten Automatisierungstechnik einsetzbar und spart Rüstzeiten und Kosten.

Es haben bereits mehrere namhafte Hersteller von Entwicklungswerkzeugen für Automatisierungssoftware Interesse an den neuen Erkenntnissen bekundet.

Roman Froschauer ist Absolvent des Studienganges „Industrielle Informatik“ und wird 2010 seine Dissertation an der Johannes-Kepler-Universität Linz abschließen.

v.li.n.re.: Dr. Gerald Reisinger (GF FH Oberösterreich), VD Dr. Michael Rockenschaub, Landesrätin Mag.a Doris Hummer, Innovation Award Gewinner DI (FH) Michael Aigner, Dekan Prof. (FH) Dr. Burkhard Stadlmann, DI Günter Rübig (Obmann FH-Förderverien Wels), Dr. Jürgen Miethlinger (Betreuer Fa. Poloplast GmbH)

v.li.n.re.: Dekan Prof. (FH) Dr. Burkhard Stadlmann, Dr. Gerald Reisinger (GF FH Oberösterreich), Landesrätin Mag.a Doris Hummer, DI (FH) Hannes Freudenthaler, DI (FH) Roman Froschauer, DI (FH) Michael Aigner, DI (FH) Manuel Etzelsdorfer, DI Günter Rübig (Obmann FH-Förderverein-Wels)