Campus WelsTechnik & Angewandte Naturwissenschaften

News EntwicklungsingennieurIn Maschinenbau

Welser Maschinenbau-Absolvent Gerhard Prechtl promoviert „sub auspiciis“

Als erster Absolvent der FH OÖ / Wels promovierte kürzlich der Maschinenbau-Absolvent Gerhard Prechtl „sub auspiciis“. Der 32-jährige Tiroler hat die HTL-Ausbildung, das Welser FH-Studium EntwicklungsingenieurIn Maschinenbau mit allen Prüfungen und das Dissertationsstudium an der JKU Linz jeweils mit Auszeichnung absolviert. Er wurde dafür von Bundespräsident Heinz Fischer mit dem goldenen Ehrenring der Republik geehrt.

Wenn jemand „sub auspiciis“ promoviert, dann blickt er oder sie auf eine exzellente schulische und hochschulische Ausbildung zurück. Diese nur in Österreich verliehene Auszeichnung verdienen sich jährlich nur rund 25 Studierende, die die Oberstufe, die Reifeprüfung, das gesamte Studium inklusiver aller Prüfungen mit Auszeichnung bestehen und  alle Abschlussarbeiten (Bachelor- und Diplomarbeit sowie Dissertation) mit „Sehr gut“ ablegen. Das Studium muss außerdem in der regulären Studiendauer absolviert werden.

Gerhard Prechtl aus Navis (Tirol) hat nun dieses Kunststück geschafft. Nach seiner ausgezeichneten Matura an der HTL Fulpmes absolvierte er das Welser FH-Studium EntwicklungsingenieurIn Maschinenbau, das er bei allen Abschlussarbeiten und -prüfungen mit „Sehr gut“ bestand. Zu dieser Zeit hat Prechtl bereits erste Auszeichnungen eingefahren, wie etwa den Internationalen Mechatronik-Preis 2011, den Johann Puch Innovation Award 2011 und den Innovation Award FH Wels 2011. Anschließend absolvierte der Maschinenbauer sein Dissertationsstudium an der Johannes Kepler Universität am Institut für Konstruktiven Leichtbau, das er ebenfalls mit „Sehr gut“ bestand.


Wir haben Gerhard Prechtl zu einem kurzen Interview gebeten:

Herzliche Gratulation zu Ihrer Promotion „sub auspiciis“! Wie war die Promotionsfeier mit Bundespräsident Heinz Fischer? Über was haben Sie sich mit ihm unterhalten?
Die Promotio sub auspiciis war für mich eine sehr wunderbare Veranstaltung. Besonders durch die Anwesenheit des Bundespräsidenten wurde mir das Gefühl gegeben, dass ich eine hervorragende Leistung erbracht habe. Die Laudatio meines Doktorvaters Herrn Prof. Martin Schagerl  hat mich sehr geehrt, die zahlreichen Gratulationen haben mich sehr berührt und unendlich stolz gemacht. Ich habe die große Ehre genossen, nicht nur bei der Verleihung, sondern auch beim anschließenden Mittagessen neben dem Herrn Bundespräsidenten zu sitzen. Er hat auf mich einen sehr sympathischen Eindruck gemacht und ich habe mich zutiefst darüber gefreut, dass ich mich mit ihm ausgiebig unterhalten durfte. Insbesondere haben wir uns über unsere gemeinsame Leidenschaft zu den Bergen unterhalten. Er hat mir dabei erzählt, dass der 3.666m hohe Großvenediger in den Hohen Tauern, den ich ebenfalls bereits bestiegen habe, zu einen seiner Lieblingsgipfeln zählt.

Lernen fällt Ihnen scheinbar besonders leicht. War das immer so? Welche Tipps können Sie SchülerInnen und StudentInnen geben?
Bereits in der Volksschule ist mir das Lernen sehr leicht gefallen. Dabei ist bereits durch den Unterricht in der Schule sehr viel hängen geblieben und ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich zu Hause stundenlang gepaukt hätte. An der HTL wurden uns Schülern dann im Deutschunterricht unter dem Thema „Lernen lernen“ Regeln zum effizienten Lernen beigebracht. Für mich war es in dieser Zeit besonders zielführend, wenn man sich neuen Stoff am Abend angeschaut und diesen dann morgens nach dem Aufstehen wiederholt hat. Allerdings war auch für mich das strikte Auswendiglernen mit sehr viel Überwindung verbunden. Da war ich sehr froh, dass im Bereich des Maschinebaus durch die starke Verknüpfung zur Mathematik das Lernen auf Verständnis und zahlreichem Üben basiert.

Wie hat Ihre Familie reagiert? Haben Sie auch begabte Geschwister und Eltern?
Meinen Eltern und meiner Schwester, die keine Akademiker sind, musste ich zunächst einmal erklären, was es denn mit dieser „Promotio sub auspiciis“ auf sich hat. Mein Bruder, der nach einer Lehre auf der TU München das Robotikstudium hervorragend abgeschlossen hat, wusste sofort, dass ich damit einen großen Erfolg erreicht habe. Speziell bei meiner Promotionsfeier war dann natürlich der Stolz auf den eigenen Sohn/Bruder immens und ich bin froh, dass ich diese Veranstaltung dazu nützen konnte, ein großes Dankeschön an meine Familie für die jahrelange Unterstützung zurückgeben zu können. Als begabt bezeichne ich jeden in meiner Familie, denn Begabung muss sich nicht immer durch eine Promotio sub auspiciis ausdrücken sondern kann sich auch beispielsweise in handwerklicher Geschicklichkeit oder im Familienmanagement offenbaren.

Würden Sie sich als hochbegabt bezeichnen?
Nein. Das Erreichen eines solchen Abschlusses ist natürlich mit einem hohen Maß an Intelligenz verbunden. Mitentscheidend ist aber auch Fleiß, Strebsamkeit und das ein oder andere Mal auch etwas Glück. Die Promotio sub auspiciis ist daher für mich eine Auszeichnung für über viele Jahre erbrachte ausgezeichnete Leistungen gepaart mit großem Bestreben sowie Ehrgeiz  – aber nicht zwingend ein Zeichen für Hochbegabung.

Haben Sie bewusst auf die Auszeichnung „sub auspiciis“ hingearbeitet?
Auf die Auszeichnung selbst habe ich nicht hingearbeitet. Nach der Matura war nämlich ein Studium nicht geplant und ich habe zunächst wertvolle Berufserfahrung gesammelt. Auch im Studium an der Fachhochschule habe ich mich mit einer Promotio sub auspiciis nicht auseinandersetzt, da die Entscheidung für die Fortführung meiner akademischen Laufbahn erst kurz vor meiner Diplomprüfung gefällt wurde. Erst im Laufe des Doktoratsstudiums bin ich drauf gekommen, dass ich diese Sonderform der Promotion schaffen kann.

Haben Sie eigentlich einmal ein „Nicht genügend“ geschrieben? Wenn ja, wann?
Ja, die erste Deutsch-Schularbeit an der HTL wurde mit „Nicht genügend“ beurteilt. Es ging dabei um die Interpretation eines Textes und ich habe das, was der Autor ausdrücken wollte, falsch interpretiert. Der langjährige Erzieher im Schülerheim Don Bosco, wo ich dazumal unter der Woche gewohnt habe, hat mir dann die Verbesserung geschrieben und mich dabei unterstützen wollen, mit dieser Verbesserung ein Plus zu bekommen. Ein paar Tage darauf habe ich dann die Version des Erziehers mit den Worten der Deutschprofessorin: „Herr Prechtl, Sie haben es immer noch nicht verstanden!“ und einem fetten Minus zurückbekommen. Irgendwie ist mir aber dann ab diesem Zeitpunkt auch in Deutsch das sogenannte Licht aufgegangen und auch in diesem Fach haben sich Einser eingestellt.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Maschinenbau-Studium an der FH OÖ in Wels? Würden Sie es wieder machen?
An der Fachhochschule in Wels habe ich mich vom ersten Tag an sehr wohl gefühlt. Die Vorlesungen sowie der Studienplan waren für mich sehr interessant gestaltet und es hat ein sehr ausgewogenes Verhältnis zwischen Theorie und Praxis vorgeherrscht. Besonders begeistert war ich von den ProfessorInnen, welche neben dem wissenschaftlichen Bereich auch die Anwendung durch zahlreiche Erfahrungen in der Industrie perfekt abgedeckt haben. Die Entscheidung, an der Fachhochschule OÖ in Wels Maschinenbau zu studieren, war für mich bestens. Verglichen mit Kommilitonen im Doktoratsstudium von anderen technischen Hochschulen in Österreich als auch außerhalb, stellt der Studiengang Maschinenbau der FH OÖ in Wels ein fundiertes Studium dar.

Was ist aus Ihrer Sicht das Reizvolle an Maschinenbau?
Im Allgemeinen erschließt sich mit einem Maschinenbaustudium ein sehr breites Berufsfeld. Im Bereich des Anlagenbaus bis hin zur Luft- und Raumfahrt werden MaschinenbauerInnen eingesetzt, womit ein interessantes und abwechslungsreiches Berufsleben nach dem Studium sichergestellt wird. Der Abschluss eines Maschinenbaustudiums ermöglicht es zudem, in der Forschung und Entwicklung von neuen hochtechnologischen Produkten tätig zu sein und damit einen Beitrag zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung zu leisten. Trotzdem heutzutage Produktionsstätten in den Osten abwandern, wird die Forschung und Entwicklung im Bereich der Technik auch in Zukunft sichere Arbeitsplätze für IngenieurInnen des Maschinenbaus bieten.

Bundespräsident Heinz Fischer mit dem Maschinenbau-Absolvent Gerhard Prechtl und seiner Verlobten.

Gerhard Prechtl erhält von Bundespräsident Heinz Fischer den goldenen Ehrenring der Republik.

Gerhard Prechtl bei seiner Dankesrede. Für alle Fotos gilt: Quelle JKU/Eder, honorarfrei