Campus WelsTechnik & Angewandte Naturwissenschaften

Praxisnähe

PRAXIS wird groß geschriebenNachhaltige Studienprojekte

Neben der fachlichen Kompetenz erhalten die Studierenden in Wels eine intensive praktische Ausbildung. In verschiedenen Projekten können sie ihr Wissen in der Praxis einsetzen und messbare Ergebnisse für die Unternehmen und Forschungsgruppen liefern. Ein großer Teil der fächerübergreifenden Projekte oder der Bachelor- und Masterarbeiten behandeln nachhaltige Themen, bei denen es um Ressourcenschonung und Energieersparnis, Verlängerung von Maschinenlaufzeiten und nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg geht.

Wir haben hier einige Beispiele für Sie zusammengefasst:

Flexibles innovatives Kühlsystem für Antriebsbatterien von Elektrofahrzeugen

Der Angewandte Energietechnik-Absolvent DI Franz Pöhn hat im Rahmen seiner Masterarbeit für die MIBA ein bahnbrechendes und disruptives Kühlsystem für Traktionsbatterien elektrisch betriebener Fahrzeuge entwickelt. "Die Hauptinnovation des von mir untersuchten Kühlsystems besteht darin, dass der Kühler nicht starr ist, sondern sich flexibel an die Batterieoberfläche anpassen kann. Es handelte sich dabei um eine absolute Neuentwicklung und man konnte daher also kaum auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Wichtig war zuerst das System mittels Versuchen und Berechnungen genau zu analysieren bzw. mittels CFD Simulation auch zu visualisieren", berichtet Pöhn. Im Zuge der Arbeit ist es gelungen, speziell angepasste Tools für eine analytische Berechnung zu erstellen, die in wenigen Sekunden Aussagen über die Wärmeübertragungseigenschaften oder den Druckverlust im System liefern. Außerdem konnte Franz Pöhn ein mittlerweile patentiertes Kühlerdesign entwickeln, das die mechanischen Anforderungen an das System bei wesentlich geringerem Gewicht erfüllt. Er arbeitet nun bei MIBA im Bereich Weiterentwicklung von Batteriekühlsystemen.

Kunststoffeinsparung durch optimierte Materialverteilung

Das Thermoformen von Kunststoffen, das zB bei der Herstellung von Joghurtbechern eingesetzt wird, zählt zu den wichtigsten und produktivsten kunststoffverarbeitenden Prozessen. Trotz des kurzen Produktlebenszyklus müssen Thermoformprodukte spezielle Eigenschaften erfüllen und zum Teil hohen mechanischen Belastungen standhalten. „Im Zuge meiner Masterarbeit habe ich die Wanddickenverteilung von Thermoformprodukten untersucht, mit dem Ziel, diese kontrolliert zu beeinflussen. Dazu erfolgte die Entwicklung eines Mehrkomponentenvorstreckstempels, mit dem es möglich ist, Materialverschiebungen am Thermoformprodukt hervorzurufen, wodurch die Steifigkeit signifikant gesteigert werden kann. Weiters erfolgten umfangreiche Untersuchungen hinsichtlich der eingesetzten Werkstoffe und der Auswirkung von Prozessparametern auf die Qualität der Thermoformprodukte“, erklärt der Werkstoffwissenschaften und Fertigungstechnik-Absolvent DI Andreas Kuntner-Hochleitner. „Durch die optimierte Materialverteilung am Thermoformprodukt kann die Mindestanforderung an die mechanische Belastbarkeit mit wesentlich geringeren Folienstärken erfüllt werden. Daraus ergibt sich bei dem untersuchten Thermoformprodukt ein Rohstoff-Einsparpotential von ca. 7500 to Kunststoff in einem Zeitraum von 10 Jahren. Dies entspricht etwa 6 Mio Euro“, sagt Kuntner-Hochleitner. Andreas Kuntner-Hochleitner ist nun im Unternehmen KIEFEL Packaging GmbH als Gruppenleiter für die Endmontage von Thermoformwerkzeugen tätig. Parallel dazu wirkt er bei verschiedensten Entwicklungsprojekten rund um das Thema Thermoformen mit.

Einfälle gegen (Lebensmittel-)Abfälle

Im Rahmen eines Projektes wurden von Bio- und Umwelttechnik-Studierenden in 10 Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben detaillierte Aufnahmen der anfallenden Lebensmittelabfälle durchführt. Im Rahmen einer Masterarbeit wurde dabei eine Untersuchungsmethode angewendet, die international als die absolut genaueste und zuverlässigste gilt. Hierbei konnte nicht nur geklärt werden, wieviel, sondern vor allem auch wo und welche Lebensmittel zu Abfall werden. Durch die Trennung in 37 Fraktionen sind genaue Aussagen zu den Gründen möglich und es konnten gemeinsam mit den Betrieben einfache, praxisorientierte Maßnahmen ausgearbeitet werden, wie die Abfallmenge reduziert werden kann. Alleine die Bandbreite in der Gastronomie – die vermeidbare Abfallmenge ist im worst case mehr als 10 mal so hoch wie im best case – macht das Reduktionspotenzial bei einigen Betrieben deutlich. Abfallreduktionen leisten nicht nur einen Betrag zu Klima- und Umweltschutz, sondern haben – weil weniger Lebensmittel eingesetzt werden müssen – vor allem auch finanzielle Bedeutung für die Betriebe (Einsparungspotenzial von bis zu 0,90 Euro pro Gast). Es zeigt sich, dass die Menge an Abfällen, die als nicht vermeidbar gewertet werden, in einer Größenordnung zwischen 10,4% (Großküchen) und 48,4% (Gaststätten) liegt. Die große Schwankungsbreite zeigt, dass ein enormes Potenzial zur Verbesserung der Situation besteht. Vorzeigebetriebe demonstrieren jedoch auch, dass es sehr wohl möglich ist, mit der Ressource Lebensmittel sehr sorgsam umzugehen.

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