Campus WelsTechnik & Angewandte Naturwissenschaften

Interviews

Nachhaltigkeit wird an der FH OÖ Fakultät für Technik und Angewandte Naturwissenschaften in Wels groß geschrieben. Wir haben den Dekan, Professor*innen und ausgewählte Studiengangsleiter*innen befragt, wie ihre Sicht der Nachhaltigkeit ist, wie dieses zukunftsweisende Thema in den Studiengang einfließt, wie die weitere Entwicklung in diesem Bereich aussehen wird und wie die Studierenden vom Know-how profitieren können:

Ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Nachhaltigkeit hat hohe BedeutungDekan FH-Prof. DI Dr. Michael Rabl

„Wir sind uns am FH OÖ Campus Wels der Bedeutung von ökologischer, ökonomischer wie gesellschaftlicher Nachhaltigkeit bewusst und vermitteln diese Denk‐ und Handlungsprämissen im Sinne eines gelebten Umweltbewusstseins im Bereich der Lehre und angewandten Forschung in vielfältiger Weise“, sagt Dekan FH-Prof. DI Dr. Michael Rabl. "Auch in der Campus-Neugestaltung wird auf Nachhaltigkeit geachtet: Studierende werden in den Planungsprozess eingebunden, der Innenhof wird an die Bedürfnisse der Studierenden mit grünen Wohlfühl-Oasen, Chill-out-Area und Lernflächen angepasst, Außenwände begrünt und die FH-Mensa ausgebaut."

Nachhaltigkeit ist eine DenkhaltungInterview mit Dr. Manuel Selg, Studiengangsleiter Bio- und Umwelttechnik

Was bedeutet Nachhaltigkeit im Studiengang Bio- und Umwelttechnik?

Nachhaltigkeit ist eine Denkhaltung. „Papier statt Plastik“ ist ein politischer Slogan und keine Denkhaltung. Der Slogan spiegelt auch nicht die ganze Wahrheit wider. Wir verstehen unter Nachhaltigkeit eine Verhaltensweise, die im Idealfall zu wissenschaftlich nachvollziehbaren und ressourcen-neutralen Kreislaufprozessen führt. Wichtige Aspekte sind hierbei natürlich die ganzheitliche Betrachtung der Alternativen in Bezug auf Lebenszyklus und CO2 Bilanz.

Wie fließt die Nachhaltigkeit im Studiengang Bio- und Umwelttechnik in studentischen Projekten ein?

Hier ist für uns ganz wichtig, genau zu analysieren bevor Handlungen gesetzt werden. Dazu gehört die Untersuchung der Lebenszyklen von Produkten des täglichen Gebrauchs wie z.B. die Dauer der Verwendbarkeit, alternative Verwendungsmöglichkeiten, Abfallvermeidung und Wertstoffrückgewinnung. Auch CO2-Bilanzen industrieller Prozesse, erneuerbare Energien und das Ersetzen von chemischen durch biotechnologische Prozesse gehören dazu.

Wie erwarten Sie die Entwicklung in diesem Bereich?

Es wird in absehbarer Zeit zu massiven Auswirkungen auf unser tägliches Leben kommen müssen, um nationale und EU-Vorgaben für den Kampf gegen den Klimawandel erfüllen zu können. Das alles setzt voraus, dass wir einen schonenderen Umgang mit unseren Ressourcen ins tägliche Leben einfließen lassen.

Wie können die Studierenden von diesem Know-how profitieren und in weiterer Folge unsere Gesellschaft?

Absolventen sind zukunftsfit und können zum „Green Deal“ der EU beitragen. Absolventen sind somit gesuchte und benötigte Fachkräfte, die den derzeit diskutierten ökologischen Wandel in der Wirtschaft aktiv umsetzen können.

Energieeffiziente Mobilität durch geringere bewegte MassenInterview mit FH-Prof. DI Dr. Roland Hinterhölzl, Studiengangsleiter Leichtbau & Composite-Werkstoffe

Was bedeutet Nachhaltigkeit im Studiengang Leichtbau & Composite-Werkstoffe?
Nachhaltigkeit bedeutet im Leichtbau z.B. energieeffiziente Mobilität durch geringere bewegte Massen zu ermöglichen, durch innovative Werkstoffe, wie z.B. Biocomposites, und Bauweisen, wie sie etwa in der Natur vorzufinden sind (Bionik), Bauteile so zu gestalten, dass sie mit möglichst wenig Material- und Energieeinsatz in der Produktion gefertigt werden können. Zusätzlich werden Reparatur- und Recyclingmöglichkeiten bereits in der Entwicklung neuer Leichtbauteile berücksichtigt.

Wie kann man Nachhaltigkeit im Studiengang LCW veranschaulichen? Gibt es Projekte dazu?
Es gibt im Studiengang LCW sowohl im Bachelor- als auch im Masterstudiengang eigene Vorlesungen zum Thema Nachhaltigkeit im Leichtbau sowie weitere LVAs wie etwa Bionik oder Auslegung & Bauweisen von Composites, wo dieses Thema sehr stark betrachtet werden. Bezüglich Projekte arbeiten zwei LCW Studentinnen aktuell in ihren Projektarbeiten mit der Firma Carbon Clean Up zusammen, welche sich dem Thema Carbon Faser Recycling widmet. Im interdisziplinären Liegeradprojekt soll im nächsten Schritt der Einsatz von Bio-Composites untersucht werden.

Wie erwarten Sie die Entwicklung in diesem Bereich?
Der Fokus wird verstärkt auf Ressourceneffizienz gelegt werden, sowohl hinsichtlich Betrieb (weniger Treibstoff), bei der Fertigung (weniger Materialeinsatz) als auch bereits bei der Auslegung und Entwicklung von Bauteilen (Material nur wo es benötigt wird). Auch die Fragen von Reparatur & Recycling und damit des gesamten ökologischen Fußabdrucks werden zukünftig stärker berücksichtigt werden müssen. Zusätzliches Potenzial stellt die Integration von Zusatzfunktionen in das Leichtbauteil und damit eine Reduktion des Materials und Gewichts für das Gesamtsystem dar. Die Erforschung neuer Leichtbauwerkstoffe wie z.B. Carbonfasern hergestellt aus Algen und damit unter Bindung von CO2 stellen sehr spannende neue Ansätze dar.

Wie können die Studierenden von diesem Know-how profitieren und in weiterer Folge unsere Gesellschaft?
Wenn unsere Studierenden ihr Wissen in ihren zukünftigen Berufen umsetzen, wird unsere Gesellschaft durch Einsparung/Reduktion von Energie, Ressourcen und Abgasen stark profitieren. Zusätzlich wird ihr Wissen über den der Einsatz von langlebigen, reparierbaren und wiederverwertbaren Produkten/Materialien Einzug in die Produktion der Zukunft finden und damit nachhaltige Leichtbauteile ermöglichen.

Innovationen müssen positiven Beitrag für die Umwelt und die Gesellschaft leistenInterview mit FH-Prof. DI Dr. Michael Rabl (Studiengangsleiter Innovations- und Produktmanagement) und Mag. Dr. Alexander Brendel-Schauberger

 

Was bedeutet Nachhaltigkeit im Studiengang Innovations- und Produktmanagement IPM?
Nachhaltigkeit bedeutet für uns, dass innovative Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle nicht einzig und alleine danach beurteilt werden dürfen, ob ein Unternehmen damit Gewinne erwirtschaftet. Vielmehr spielt es eine große Rolle, dass damit auch ein positiver Beitrag für die Umwelt und die Gesellschaft geleistet wird. Daher ist es wichtig, das Thema Nachhaltigkeit als zentrales Kriterium bei der Entwicklung von Innovationen zu verankern.

Wie kann man Nachhaltigkeit im Studiengang IPM veranschaulichen? Gibt es Projekte dazu?
Nachhaltigkeitsaspekte spielen eigentlich im gesamten IPM-Curriculum eine tragende Rolle: Sei es im Bereich nachhaltiges Produktdesign oder Produktentwicklung mit nachhaltigen Materialien. Gerade auch in Unternehmensprojekten wird die Forderung immer größer, diese Aspekte entsprechend zu berücksichtigen und dann auch entsprechend an die Kunden zu kommunizieren.

Wie erwarten Sie die Entwicklung in diesem Bereich?
Bewegungen wie Fridays for Future zeigen, dass das Thema Nachhaltigkeit im Bereich Umwelt, Gesellschaft und Soziales in der breiten Bevölkerung angekommen ist und weiter an Wichtigkeit gewinnen wird. Daher wird der Druck auf Unternehmen immer größer, ihr gesamtes Tun und vor allem ihre Angebote nachhaltig zu gestalten, was nachhaltige Innovationen wiederum zum Wettbewerbsvorteil macht.

Wie können die Studierenden von diesem Know-how profitieren und in weiterer Folge unsere Gesellschaft?
Nachdem der Druck auf Unternehmen immer größer wird, nachhaltige Angebote zu erbringen, braucht die Wirtschaft gut ausgebildete Innovations- und Produktmanager*Innen, die ihr fundiertes Wissen im Bereich nachhaltige Produktentwicklung einbringen können. In weiterer Folge profitiert die gesamte Gesellschaft von nachhaltigen Innovationen, die von unserer Absolvent*Innen (mit)entwickelt werden.