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SENSATION: Saliera am FH-Campus Wels

Sensation am FH OÖ Campus Wels!
Welser FH-Wissenschafter untersuchen die beiden Figuren „Erde“ und Meer“ aus dem Ensemble der Saliera mit Österreichs einzigartigem Computertomographen

(LK) Der in Österreich einzigartige Computertomograph für die zerstörungsfreie Werkstoffprüfung im industriellen Bereich am FH OÖ Campus Wels hat ein neues Betätigungsfeld in der Kunst gefunden: Nachdem bereits zweimal ins Innere antiker, griechischer Funde aus dem Akropolis-Museum geblickt wurde, können nun die FH-Wissenschafter eine neue Sensation vermelden: Zwei Hauptfiguren - die Personifikationen der Erde und des Meeres - aus dem Ensemble der weltberühmten Saliera aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien, die derzeit zur Untersuchung ihres Erhaltungszustandes in ihre Einzelteile zerlegt ist, wurde am Donnerstag, 26. April 2007, am oö. Fachhochschul-Campus Wels einer tomographischen Überprüfung mit Röntgenstrahlen unterzogen. 

Die Analyse von Teilen dieses bedeutenden Kunstwerks im Hochleistungs-CT brachte sensationelle und detailliertere Informationen über Benvenuto Cellinis Fertigungstechnik und die verwendeten Materialien.  „Mit dem industriellen Computertomografen haben wir bewiesen, dass wir in der zerstörungsfreien Prüfung in der Forschung an den oö. Fachhochschulen absolute Weltspitze sind“, unterstreicht Wirtschafts-Landesrat Viktor Sigl, der sich am FH-Campus ein Bild von der Analyse der wertvollen Saliera-Figuren machte.

Benvenuto Cellini hat zwischen 1540 und 1543 eines der schönsten und bedeutendsten Kunstwerke der Goldschmiedekunst des 16. Jahrhunderts geschaffen. Es gilt unter Experten zu den Schlüsselwerken des Kunstschaffens der Spätzeit der Renaissance. Im Übrigen ist es das einzige aus Gold gefertigte Kunstwerk Cellinis, das sich erhalten hat.

Im Zuge der Restaurierungsarbeiten im Auftrag des Kunsthistorischen Museums versucht man nun, die Herstellungstechnik genau zu analysieren. Der in Florenz geborene Cellini hat die Entstehung des Werkes in seiner Autobiographie und seinem Traktat über die Goldschmiedekunst dokumentiert. Er beschreibt darin, dass er das gesamte Kunstwerk aus einem Goldblech mit Hammer und Punzen vollplastisch getrieben hat. „Unser Ziel war es, mit der Computertomograph-Analyse herauszufinden, ob Cellini dieses Goldkunstwerk tatsächlich zur Gänze mit Hammer und Punzen bearbeitet hat. Es bestand nämlich die Vermutung, dass er zumindest die Zehen und die Köpfe gegossen hat.“, erklärt die Restauratorin Mag. Helene Hanzer.

Die künstlerische Vollkommenheit des Kunstwerkes Saliera wurde im Welser Computertomographen voll bestätigt. Untersucht wurden die beiden auf der Saliera thronenden Götterfiguren, deren Herstellung aus einem freihändig getriebenen Stück Goldblech zu den großen Wunderwerken der Goldschmiedekunst gehört. „Die Messungen ergaben, dass jeweils die gesamte Figur bis hin zu den zartesten Teilen wie Fingern und Zehen mit Punzen und Hämmern geformt wurden, und dass Cellinis eigene Beschreibung der Herstellung der Saliera in seinem Traktat keineswegs übertrieben ist, sondern tatsächlich stimmt. Auch die unerhörte Gleichmäßigkeit der Wandstärke von unter 1 mm kann nur Erstaunen und den größten Respekt vor den handwerklichen Fähigkeiten dieses Genies erwecken", meint die Kuratorin der Kunstkammer, Dr. Claudia Kryza-Gersch, über die sensationellen Messergebnisse im Welser CT. Weiters haben die Untersuchungen ergeben, dass die beiden Figuren mit einer Wachsharzmischung ausgefüllt wurden, die zur Stabilisierung dient.

Aufwändig gestalteten sich aber auch die Vorbereitungen der Messungen der Figuren, mussten doch Versicherung, Transportmittel und –behälter und Aufenthaltsort in Wels im Vorfeld geklärt werden. Transportiert wurden „Erde“ und „Meer“ schlussendlich mit einem speziellen Kunstspediteur, der sie in einer 150 kg schweren, klimatisierten und stoßgedämpften Spezialkiste von Wien nach Wels brachte. Untergebracht wurden die  Figuren während der zwei Messtage im Tresorraum der Volksbank Wels.  Jetzt werden wieder alle Teile der bedeutenden Goldschmiedearbeit komplett im Kunsthistorischen Museum in Wien verwahrt.
Mit dem industriellen Computertomographen am FH-Campus Wels werden grundsätzlich neue Verfahren zur zerstörungsfreien Werkstoffprüfung entwickelt. Dieses High-tech-Gerät, das Werkstoffe auf Fehlerhaftigkeit, Haltbarkeit und Belastungsfähigkeit überprüft, ohne den Werkstoff zu zerstören, bringt den beteiligten Firmen neue Wettbewerbschancen durch effizientere Prüfung. Die Forschungsarbeiten, an denen alle acht Studiengänge des FH-Campus Wels beteiligt sind, werden in enger Kooperation mit Partnern aus der Industrie wie Allps, FACC, Fronius, voestalpine AG, Plansee, Gruber&Kaja, LKR Österreich und dem deutschen CT-Hersteller Wälischmiller durchgeführt. Dafür schaffte der FH-Campus Wels eine in Österreich einzigartige apparative Ausstattung für die zerstörungsfreie Werkstoffprüfung und In-situ-Charakterisierung an.

„Vergleichen kann man diesen industriellen CT mit der landläufig bekannten „Röhre“ oder dem medizinischen Computertomographen im Krankenhaus. Auch dort werden dreidimensionale Abbilder vom menschlichen Körper erzeugt. Jedoch ist dieser industrielle CT um ein Vielfaches leistungsfähiger, damit man auch Bauteile für die Flugzeug- oder Automobilindustrie auf Fehler durchleuchten kann“, erklärt F&E-Prokurist DI Dr. Johann Kastner vom FH-Campus Wels.

Beeindruckende technische Eckdaten des Computertomographen:
• Ausstattung mit einer 225 keV Mikrofokus und einer 450 keV Makrofokusröhre
• Werkstücke und Bauteile können mit einer Genauigkeit bis zu 5 Tausendstel Milimeter auf eventuelle Fehler untersucht werden.
• Bauteile können auch innen exakt untersucht und vermessen werden, ohne sie zu zerschneiden oder zu beschädigen.
• Es können Bauteile aus unterschiedlichsten Materialen und Materialkombinationen wie Stahl, Aluminium, Magnesium und Kunststoff untersucht werden.
• Die Bauteile können eine Größe bis zu 0,6 m x 1,5 m und ein Gewicht bis zu 60 kg haben.

v.l.n.r.: Prof. (FH) Prok. DI Dr. Johann Kastner (Leiter FH OÖ Forschungs & Entwicklungs GmbH), Dr. Claudia Kryza-Gersch (Kurator Kunstkammer, Weltliche und Geistliche Schatzkammer - Kunsthistorisches Museum Wien (KHM)), Wirtschafts-Landesrat von Oberösterreich Kommerzialrat Viktor Sigl, Mag. Helene Hanzer (Restauratorin der Kunstkammer, Weltlichen und Geistlichen Schatzkammer - KHM)