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Öko-Energietechnik-Studentinnen erkunden Indien

Ida Poinstingl und Isabelle Hasleder, zwei Welser FH-Studentinnen des Studienganges Öko-Energietechnik, absolvierten kürzlich ihr Pflichtberufspraktikum im 7. Semester in Indien. Dabei haben Sie nicht nur ihr Englisch verbessert und eine fremde Kultur kennengelernt, sondern konnten auch für uns selbstverständliche Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

Die gebürtige Wienerin Ida Poinstingl absolvierte ihr Berufspraktikum bei der Firma Gadhia Solar in Valsad, das in der Nähe der Großstadt Mumbai, dem früheren Bombay liegt. Diese Firma baut Parabolspiegel um Sonnenlicht zu konzentrieren und damit in erster Linie zu kochen. In den indischen Großküchen werden verstärkt solare Dampfkochsysteme eingesetzt, sodass täglich bis zu 15.000 Mahlzeiten energieeffizient zubereitet werden können. Mit dem erzeugten Dampf kann auch eine Absorptionskältemaschine betrieben werden und somit mit Sonnenlicht gekühlt werden. Weiters können die bis zu 400°C im Fokus des Spiegels zum trocknen und verbrennen genutzt werden.

Zusätzlich engagierte sich die 23-jährige Studentin im Verein ICNEER für ein Bewusstsein für Umweltschutz und nachhaltige Lebensweise. Sie hielt Vorträge und organisierte Workshops, um vor allem den Menschen in ländlichen Gegenden den Umgang mit Solarkochern vertraut zu machen. Die Holzsuche in der 8 Monate anhaltenden Trockenperiode ist in Indien eines der größten Alltagsprobleme der 1,12 Milliarden Menschen. Auch der verantwortungsvolle Umgang mit Abfällen und Pestiziden in der Landwirtschaft ist ein wichtiger Schritt zur Lösung gravierender Umweltprobleme. “Der Umgang mit der ländlichen Bevölkerung hat mich dabei am meisten fasziniert“, erklärt eine an Auslandserfahrung gereifte Poinstingl.

Ihre Studienkollegin Isabelle Hasleder aus Hofkirchen/Trattnach absolvierte das Berufspraktikum in dem internationalen Forschungsdorf Auroville an der Süd-Ost Küste von Indien im Bundesstaat Tamil Nadu. In diesem Dorf leben rund 2000 Europäer, Amerikaner und Australier. Dieses vor 40 Jahren gegründete Dorf versteht sich als lebendige Vision einer ganzheitlichen Entwicklung in allen Lebensbereichen: Von ökologischem Landbau über alternative Energien bis zu Yoga und Meditation.

Die 22jährige Öko-Energietechnik-Studentin beschäftigte sich in ihrem Praktikum mit der solaren Wohnraumkühlung. „Mein Betreuer war der Auffassung, dass ich als Alpenländerin für die Schaffung von kühlen Verhältnisse prädestiniert wäre. Daher befasste ich mich in den 6 Monaten mit einer Absorptionskältemaschine und erstellte einen umfassenden Leitfaden über die Wohnraumkühlung“, erklärt Hasleder. Sie fand es besonders lehrreich am Bau der Kühlmaschine mitzuhelfen, es wurde geschraubt, gebohrt, geschweißt und besonders viel geschwitzt bei Temperaturen an die 40°C. „Da weiß man wofür man arbeitet“, die Kühlung von Gebäuden ist ein großes Thema bei einer Durchschnittstemperatur von 30°C und das besondere an dieser Kühlmaschine ist, dass diese nicht wie herkömmliche Geräte mit Elektrizität betrieben wird sondern mit 80°C heißem Wasser das von der Sonne erwärmt wird.

Beide sind von ihrem Auslandspraktikum begeistert: „In den vergangenen Monaten in Indien konnten wir nicht nur Erfahrungen für den Beruf, sondern für unser ganzes Leben sammeln.“ Anfangs hatten sie versucht, eine Logik hinter dem wirren Verkehrstreiben, den Kühen auf der Straße oder dem Zeitmanagement der Inder zu finden. Schlussendlich mussten sie alle Prinzipien und Vorstellungen über Bord werfen und das Land lieben lernen wie es ist: Anmutige Frauen mit ihren farbenprächtigen Saris, die bezaubernde Natur, das Verhältnis der Inder zur Arbeit und zum Leben, das nicht durch Gewinnstreben, sondern durch das Leben im Hier und Jetzt gekennzeichnet ist.

„Man lernt zu improvisieren. Wenn man es unter indischen Verhältnissen schafft, dann geht es überall!“, sind beide überzeugt.

Infos zum Studiengang Öko-Energietechnik unter www.fh-ooe.at/oet und Tel. 07242/72811-3070.

Die beiden in indischen Saris gekleideten Öko-Energietechnikstudentinnen Ida Poinstingl (li) und Isabelle Hasleder sind wohlbehalten und reich an Auslandserfahrung zu Ihren FH-Betreuern DI Dr. Christoph Hochenauer (li), Prof. (FH) Dr. Herbert Leindecker und Studiengangsleiter Prof. (FH) Dr. Peter Zeller (re) zurückgekehrt.