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Israelischer Satellit startet mit Welser FH-Wissen

Der neue israelische Kommunikationssatellit AMOS-3 wurde am 28. April vom Weltraumbahnhof Baikonur (Kasachstan) aus in seine Umlaufbahn geschossen. Bevor dieser kostenintensive Kommunikator auf seine Reise geschickt wird, muss die Sendeleistung exakt vermessen werden, damit sich die Investition lohnt. In Zusammenarbeit mit der Österreichischen AlpinaTec GmbH und der Münchner EADS-Tochter ASTRIUM haben vier Forscher des FH-Campus Wels unter der Leitung von Dr. Franz Auinger und DI Reinhard Gahleitner ein weltweit einzigartiges Positioniersystem zur schnellen und hochpräzisen Vermessung der Abstrahlungseigenschaften von Satelliten entwickelt. Das System bewährte sich bei den letzten technischen Überprüfungen an AMOS-3.  

Satelliten tragen Antennen um Nachrichten zu empfangen und möglichst optimal auf einem Teil der Erdoberfläche zu verteilen. Da nur eine sehr begrenzte Sendeleistung zur Verfügung steht, muss die vorhandene Leistung möglichst gut auf das bestrahlte Gebiet abgestimmt werden. Sogar Geländespezifika werden bei der Konstruktion von Antennen und Reflektoren berücksichtigt um die Nachrichten energieoptimal zu verteilen.

Bevor ein Satellit in seine Umlaufbahn geschossen werden kann, muss bei einer technischen Abnahme nachgewiesen werden, dass Antennen, Reflektoren und Satellitenrumpf zusammen die geforderten Abstrahlungseigenschaften erfüllt. Dazu betreibt die ASTRIUM GmbH in Ottobrunn ein 750 m²- Hochfrequenztechnik-Labor. Darin kann mithilfe von speziellen Reflektoranordnungen die räumliche Verteilung der Strahlungsleistung exakt und witterungsabhängig vermessen werden. In dieser sogenannten Compact Range, die durch die Auskleidung mit Dämpfungselementen wie ein riesiges Tonstudio aussieht, ist es notwendig, den Satelliten auf einem Positioniersystem zu montieren. Mit Hilfe dieses Positioniersystems ist es möglich das Funkfeld des Satelliten auf Milligrad und Mikrometer genau zu vermessen. Die exakte, zweiachsige Positionierjustierung, die von den Welser Forschern entwickelt wurde, ermöglicht eine Messung bei Positioniergenauigkeiten von unter einem Milligrad bei bisher unerreichten Positioniergeschwindigkeiten.

Diese Mehrachsenregelung für den 2,5 Tonnen Positioniertisch ist einzigartig präzise: „Die technische Besonderheit an unserer Lösung ist zusätzlich zur sehr schnellen, hochgenauen Positionier- und Bahnregelung eine mikrosekundengenaue Zeitabstimmung mit den Hochfrequenzmessgeräten.“ erklärt Auinger und fügt hinzu: „Neu ist auch eine derartig komplexe Entwicklung direkt am FH-Campus Wels bis zum produktfähigen Prototyp zu treiben.“ Neben drastisch reduzierten Messzeiten und Messkosten freut man sich bei ASTRIUM auch über nun möglich gewordene völlig neue Messverfahren die den Kunden in Zukunft geboten werden können.

Für das Welser Forscher-Team bestehend aus Dr. Franz Auinger – Leiter des Fachbereiches Elektrotechnik und Professor für Steuerungstechnik, Elektrotechnik und Echtzeitsysteme, DI Reinhard Gahleitner – Professor für  Regelungstechnik, DI Gunnar Grabmair und DI (FH) Roman Froschauer – beide Forschungsmitarbeiter des Forschungsbereiches Automatisierungstechnik des FH-Campus Wels ist das Projekt aus vielen Blickpunkten heraus eine Gratwanderung. Neben den enormen technischen und organisatorischen Herausforderungen verlangt ein derartiges Projekt vor allem in der Umsetzungsphase Teamgeist hinsichtlich Zeit, Verantwortung und Engagement.

Die Firma AlpinaTec GmbH mit Ihrem Sitz in Köstendorf bei Salzburg ist Engineering-Spezialist für hochpräzisen Maschinenbau und Mechatronik im Bereich Luft- und Raumfahrt. Sie war Hauptauftraggeber dieser sogenannten Projektreihe „Ganglion“. Geschäftsführer Ing. Peter Burger vertraut mittlerweile auch in anderen Projekten auf das Team der FH und würde Absolventen der Automatisierungstechnik gerne auch in seinen Reihen sehen. Ein gutes Zeugnis!

Nähere Informationen zum FH-Studiengang „Automatisierungstechnik“ unter Tel. 07242/72811-3010, sekr.at@fh-wels.at oder www.fh-ooe.at/at

v.li.n.re. Prof. (FH) DI Dr. Franz Auinger, wissenschaftl. Mitarbeiter DI (FH) Roman Froschauer, DI Reinhard Gahleitner, wissenschaftl. Mitarbeiter DI Gunnar Grabmair

v.li.n.re. Prof. (FH) DI Dr. Franz Auinger, wissenschaftl. Mitarbeiter DI (FH) Roman Froschauer, DI Reinhard Gahleitner, wissenschaftl. Mitarbeiter DI Gunnar Grabmair; Bildquelle: FH OÖ Campus Wels, Abdruck honorarfrei