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FH OÖ RoboRescueTeam beim Robotik-Hackathon im AKW Zwentendorf

Das RoboRescueTeam der FH Oberösterreich am Campus Wels hat sich Anfang Juli dem EnRicH Hackathon im AKW Zwentendorf gestellt und mit „MARK Junior“ und „COBRA“ in der Kategorie Manipulation überzeugt.


Vom 01.07. bis zum 05.07.2019 fand der europäische Robotik-Hackathon in Zwentendorf, Niederösterreich statt. Die Organisatoren der EnRicH (European Robotics Hackathon) stellten eine reale Test- und Evaluierungsumgebung in einem echten Kernkraftwerk zur Verfügung. Vorfälle, wie Fukushima, Majak oder Tschernobyl, sowie die Stilllegung und Demontage alter kerntechnischer Anlagen (z.B. Sellafield, Asse oder Murmansk) haben gezeigt, dass der Einsatz von Robotertechnologie klare Vorteile hat.

Es gibt viele Mess- und Probenahmeaufgaben, die für den Menschen zu riskant sind. Für diese radiologischen und nuklearen (RN) Szenarien müssen spezielle Robotersysteme entwickelt werden. Obwohl ein starker Bedarf an solchen Lösungen besteht, sind in naher Zukunft jedoch keine marktreifen Systeme erkennbar. Gemeinsam mit mehreren Partnern hat die European Robotics Group beschlossen, die bereits etablierte Hackathon-Idee aus dem Bereich der Softwareentwicklung in die Robotik-Welt zu übertragen und veranstaltet alle zwei Jahre diese Spezialübung für den Ernstfall.

Die Aufgaben während der EnRicH orientierten sich an realen Szenarien, so wie Sie während eines Unglücks in einem Kernkraftwerk jederzeit auftreten könnten. Während der EnRicH waren reale Strahlenquellen zu finden. Eine Aufgabe bestand drin, dessen Position so genau wie möglich in einer Karte des Kernkraftwerkes einzuzeichnen. Weiters musste radioaktives Material in einem von 3 Rohren identifiziert werden und das zugehörige Ventil am Verteiler zugedreht werden. Die beiden anderen Rohre wurden als Dummy-Rohre ausgeführt.

Das RoboRescueTeam der FH Oberösterreich am Campus Wels entwickelt seit über 10 Jahren mobile Robotersysteme für die Anwendungen der Zukunft. Studierende aus den Studiengängen Automatisierungstechnik und Robotic Systems Engineering arbeiten an innovativen Lösungen und intelligenten Systemen. Eines der erklärten Ziele der neu gegründeten Forschungsgruppe „Smart Automation and Robotics“ ist die Entwicklung einer eigenen Roboterfamilie vom kleinen leichten Robotersystem (max. 15kg) bis zu mittel schweren Robotersystemen (ca. 100 kg) in verschiedenen Abstufungen für verschiedenste Anwendungen von Industrie- bis zur Rettungsrobotik. Der modulare Aufbau der Robotersysteme unterscheidet sich grundlegend von anderen Plattformen. Je nach Anwendung können diese mit diversen Modulen adaptiert werden. Für die EnRicH wurden für eine Einsatzdauer von 45 Minuten gleichzeitig zwei unterschiedliche Robotersysteme eingesetzt. Ein kleiner Roboter „MARK Junior“ wurde mit dem Mapping-Modul zur 2D und 3D Kartierung des Gebäudes ausgestattet, wohingegen der größere Roboter „COBRA“ mit einem 6-Achs Roboterarm und LIDAR/Visual Sensoren ebenfalls zur Kartierung und Objektdetektion ausgestattet wurde. Am Roboter selbst wurde zur radioaktiven Strahlungsmessung ein Dosisleistungsmessgerät installiert, das zur Messung von Photonenstrahlung (Röntgen- und Gammastrahlung) dient. Eine zusätzliche Gammasonde am Roboterarm diente dazu, hochgenaue Messungen vor Ort durchzuführen und die gemessene Dosis in einer eigenen 2D-Karte zu visualisieren.

Das Team konnte beim Hackathon, bei dem auch einige Roboterfirmen teilgenommen haben, gerade in der Kategorie Manipulation überzeugen und durfte sich dabei zu den besten Teams zählen. Die Teammitglieder konnten selbst für die Weiterentwicklung der Robotersysteme sehr viel an Erfahrung an realen Szenarien gewinnen. Durch das Sponsoring des Intralogistik-Spezialisten TGW Logistics Group aus Marchtrenk konnte das Roboterteam der FH OÖ Campus Wels wieder neu aufgebaut werden. Somit wurde die äußerst erfolgreiche Teilnahme an der EnRicH ermöglicht. Der nächste EnRicH-Hackathon findet wieder in zwei Jahren statt, bei der die Teams neben bodengebundenen Robotern auch sogenannte UAV (Unmanned Air Vehicle) einsetzen können.

Weitere Infos zum Hackathon: enrich.european-robotics.eu

Hier gehts zur RoboRescue-Facebook-Seite: www.facebook.com/roborescueteamwels

Das RoboRescueTeam der FH Oberösterreich am Campus Wels entwickelt seit über 10 Jahren mobile Robotersysteme für die Anwendungen der Zukunft. Im Bild v.l.n.r. Raimund Edlinger (Assistenzprofessor), Dominik Zouhar (AT-Student), Stefan Dumberger (RSE-Student), Michael Zauner (Assistenzprofessor) Bildquelle: FH OÖ

Der FH OÖ Rettungsroboter aus der Schmiede des RoboRescueTeam am Campus Wels bei der Messung der Strahlungsquelle und Manipulation bzw. Erschließung des betreffenden Ventiles beim EnRicH Hackathon in Zwentendorf. Bildquelle: FH OÖ