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15 % mehr Leistungsfähigkeit – FH OÖ-Absolvent belegt positive Wirkung von Activity Tracking Devices bei Rehabilitation von Herz-Kreislauf Patienten

Bewegungsmangel wirkt sich negativ auf das kardiometabolische Risiko aus. Trotzdem konnte in den letzten Jahren stets eine Reduktion des Bewegungsausmaßes unter Erwachsenen beobachten werden. Parallel dazu stieg das Interesse die eigenen Aktivitäten mithilfe digitaler Hilfsmittel aufzuzeichnen. Diesen Trend nahm Absolvent Jürgen Vogel gemeinsam mit einer Forschergruppe der FH OÖ aus dem Bereich Digital Business mit zum Anlass, den Einsatz digitaler Technologien und ihre Wirkung während der Rehabilitation von Patienten nach einem kardialen Akutereignis wie Herzinfarkt zu untersuchen.


Jürgen Vogel, Absolvent des gemeinsam mit der Johannes Kepler Universität durchgeführten Master-Studiums Digital Business Management am FH OÖ Campus Steyr, beschäftigte sich in seiner Master-Thesis mit digital unterstützter Rehabilitation und untersuchte in einer komplexen Studie über einen Zeitraum von acht Monaten, wie sich digitales Tracking von Freizeitaktivitäten bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen während der Rehabilitation auswirkt. Dazu wurden im Rahmen eines Feldexperiments, durchgeführt im ambulanten kardiologischen Rehabilitationszentrum CARDIOMED in Linz, zufällig ausgewählte männliche Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) mit digitalen Activity Trackern inklusive Software zur Datensynchronisierung und Zugangskonten zu einem Web Service für eine Dauer von jeweils 12 Wochen ausgestattet.

Das Ergebnis: Umfangreiche leistungsphysiologische Untersuchungen ergaben, dass HKE-Patienten mit digitalen Activity Trackern ihre Leistungsfähigkeit im Vergleich zu einer Kontrollgruppe signifikant, nämlich um 15%, verbessern konnten. Jene Patienten ohne Smart Wearables verzeichneten in Teilen des Vergleichszeitraums hingegen eine deutliche Verschlechterung ihrer Leistungsfähigkeit. Außerdem liefern die Studienergebnisse erstmals ein umfangreiches Profil von HKE-Patienten zu Schritten, verbrannten Kalorien, Aktivitäten mit unterschiedlichen Intensitätslevels oder zum Sitzverhalten über einen längeren Zeitraum.

In zwei Jahren von Masterarbeit zu Top-Journal

"Ich kann mich noch gut erinnern, wie meine Idee zur Studie im Jahr 2015 viele als zu komplex und schlichtweg nicht machbar belächelt haben. Genau diese Zweifel und Kritiker sind es, die mich ganz besonders motivieren. Mit einem Team von engagierten Co-Autoren haben aber die richtigen Unterstützer an mich und an das Projekt geglaubt. Heute, zwei Jahre später, ist die Veröffentlichung in dem renommierten US-Journal PLOS ONE wahrscheinlich die schönste Anerkennung und Belohnung für den unermüdlichen Einsatz und die unzähligen Stunden Arbeit", so Vogel, der für seine Masterarbeit auch schon mit dem "Chimney Award" und dem "Teufelberger Master-Thesis-Award" ausgezeichnet wurde.

Der 32-jährige aus Traun ist Quereinsteiger. Nach seiner HAK-Matura und ein paar Semestern Genetik-Studium entschied er sich für den Bachelorstudiengang "Marketing und Electronic Business" an der FH OÖ Fakultät für Management in Steyr, schloss gleich mit dem Masterstudium "Digital Business Management" an und legte damit den Grundstein für die Veröffentlichung in PLOS ONE.

Nach Abschluss der Masterarbeit 2016 und beinahe 12-monatiger Arbeit am Manuskript, reichte Jürgen Vogel im Mai 2017 gemeinsam mit seinen Co-Autoren Andreas Auinger (FH OÖ), René Riedl (FH OÖ und JKU), Harald Kindermann (FH OÖ), Markus Helfert (Dublin City University) und Helmuth Ocenasek (CARDIOMED) erstmals bei PLOS ONE einen fertigen Entwurf ein. Nach weiteren 20 Wochen intensivem Reviewing-Prozess wurde eine mehrfach überarbeitete Fassung schließlich vom Journal akzeptiert. "Es freut mich besonders, dass unsere Studie von einem international hoch angesehenen Journal zur Veröffentlichung angenommen wurde, weil dadurch die inhaltliche und methodische Qualität unserer Forschung zum Ausdruck kommt", freut sich René Riedl, Professor für Digital Business und Innovation an der FH OÖ.

Positive Effekte durch Digital Tracking festgestellt. "Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich digitales Tracking zur Aufzeichnung des eigenen Freizeitaktivitätsverhaltens bei Patienten in der kardiologischen Rehabilitation positiv auf die Entwicklung der Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems auswirkt", sagt Studienleiter Vogel. "Die Studie liefert somit neuartige und wertvolle Erkenntnisse über den Einsatz von Smart Wearables in der Rehabilitation von Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erweitert das Verständnis für mögliche erzielbare Effekte. Sie kann dabei unterstützen, neue Selbstmanagement-Ansätze im Rahmen von Rehabilitationsmaßnahmen zu entwickeln und sich in weiterer Folge positiv auf den Gesundheitszustand und Erfolg solcher Maßnahmen auswirken."

"Digital Business und unsere täglichen digitalen Begleiter wie Smartphones und Smartwatches durchdringen unsere Lebensgewohnheiten. Diese Forschung zeigt, dass man jene Technologien auch sehr positiv für die Gesundheit und den Rehabilitationsprozess zum Einsatz bringen kann. Ein Durchbruch!", freut sich auch Studiengangsleiter "Digital Business Management" FH-Prof. Mag. Dr. Andreas Auinger.

Zur Studie
Titel der Publikation: Digitally enhanced recovery: Investigating the use of digital self-tracking for monitoring leisure time physical activity of cardiovascular disease (CVD) patients undergoing cardiac rehabilitation

DOI: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0186261

Link: http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0186261

(v.l.n.r.) Hinten: Dr. Andreas Auinger, Jürgen Vogel, MSc, Dr. Helmut Ocenasek vorne sitzend: Dr. René Riedl, Dr. Harald Kindermann

Master-Absolvent und Studienautor Jürgen Vogel mit Studiengangsleiter und Co-Autor Dr. Andreas Auinger (re.)