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Prestigeprojekt PERFORM soll den Einzelhandel stärken

Die Digitalisierung im Handel ist brisant. Amazon, Alibaba und die anderen drängen auf den Markt. Kundinnen und Kunden wollen ein gutes Produkt zu guten Konditionen. Zuerst wird recherchiert, dann gekauft. Das Projekt PERFORM an der FH Steyr will Online-Kanäle im stationären Handel integrieren. Aufgabe des Training Networks ist es, 15 angestellte Doktoranden auszubilden, um die nächste Generation der Führungsebene für die Digitalisierung des Handels zu werden. Die Forschungsergebnisse sollen außerdem bei der Digitalisierung des Handels in Europa entscheidend einfließen.

Das Team von PERFORM durchleuchtet und optimiert die Customer Journey: Der Kunde wählt unterschiedliche Kanäle – mit dem Ziel, das beste Produkt mit dem geringsten Aufwand zum besten Preis zu finden. Zuerst recherchiert er online, wählt womöglich schon das Produkt aus und entscheidet erst dann, wo er kauft – eine Logik, die sich völlig gewandelt hat zu früher, als man beim ausgewählten Händler erst das Produkt auswählte. Viele Unternehmen haben Angst vor dem Online-Handel, nicht nur wegen der Veränderung, sondern auch aus Angst, den eigenen, herkömmlichen Kanal zu kannibalisieren. „Österreich ist eher ein Slow Follower“, sagt Projektleiter FH-Prof. Mag. Dr. Andreas Auinger, Studiengangsleiter für Digital Business auf dem FH OÖ Campus Steyr. „In Europa gibt es nur wenige Länder mit ähnlich großer Verkaufsfläche: Wir haben etwa 1,6 Quadratmeter Verkaufsfläche pro Einwohner; in Großbritannien sind es etwa 0,7 Quadratmeter.“ Derzeit liegt Österreich beim Online-Handel bei unter 10 Prozent am Gesamthandelsvolumen. Daher sollen die Kundenbedürfnisse durch zusätzliches Service unterstützt werden.

Smarter Spiegel, mobiles Bezahlen, bequemes Check-out

Technologie ist ein Schlüssel dazu. In den kommenden Jahren wird sich etwa der Smart Mirror im Textilbereich etablieren: Man geht nicht mehr in die Umkleidekabine, sondern nimmt das Kleidungsstück vom Haken, der Spiegel erkennt es und zieht es virtuell an. Auch in Entwicklung ist das vereinfachte mobile Bezahlen etwa mit Fingerprint oder Iris-Scan. Die dritte Komponente ist der Check-out, die Bezahlabwicklung ohne Kassa. Kunden registrieren sich beim Eingang an einer Schleuse, kaufen ein – und gehen wieder. Das Einkaufen selbst wird über Kameras und Sensoren überwacht, die Rechnung kommt am Schluss. „Digitalisierung ist der Veränderungsprozess, auch wir verändern uns mit der Technologie“, sagt Auinger. Der Schutz einzelner Personen ist dabei ein wichtiges Merkmal.

Seit 2015 hat sich das Projektteam um eine EU-Förderung bemüht, seit Jänner 2018 wird PERFORM als European Training Network gemeinsam mit der Dublin City University (DCU) durchgeführt, es soll Ende 2021 abgeschlossen werden – und ist mit 3,86 Millionen Euro eines der größten Projekte an der FH OÖ. Die Digital Business Unit an der FH OÖ koordiniert das Projekt für die Partner Johannes Kepler Universität Linz und die Raiffeisen Landesbank OÖ. Die 15 Doktoranden kommen aus Deutschland, Uganda, Brasilien, Irland, Holland und Schweden, großteils sind es Techniker, Informatiker und Wirtschaftsinformatiker. Vier Doktoranden sind bei Unternehmen angestellt, elf an Universitäten, die verpflichtende Industriepraktika als Teil des Programms absolvieren müssen. Jährlich gibt es zwei oder drei Trainingswochen, sowohl Supervisors als auch Doktoranden.