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Virtuelle Exkursion: 9 Destinationen in 8 Ländern in einer Woche

Es klingt wie das Reiseprogramm asiatischer Touristen, ist aber die virtuelle Exkursion der GSP-Masterstudierenden mit Schwerpunkt Public Management. Spannend – lehrreich – inspirierend!

Von Rumänien bis Schottland, von Estland bis Südtirol lernten die Studierenden innovative Projekte der öffentlichen Hand kennen.

 


Die Copernicus Reform in Belgien hat den öffentlichen Dienst maßgeblich modernisiert und attraktiver gestaltet – von zu Hause aus zu arbeiten zählt dort seit Jahren zum gelebten Standard, der die Work-Life-Balance positiv beeinflusst, so Peter Vandenbruane vom Federal Public Service and Support. Möglich macht dies eine wertschätzende Vertrauenskultur mit klarem Fokus auf die Leistungsziele anstelle der „Anwesenheitszeit“. Die Entwicklungen zur Attraktivierung des Öffentlichen Dienstes in Deutschland stellte Prof. Dr. Richard Merker vor, der als Rektor der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung in Kassel tätig ist.

Digitalisierung, oder besser, die digitale Transformation, ist eine bedeutende Basis für nahezu alle Veränderungen – so auch in Estland, das dieses Thema zur Marke für Estland gemacht hat. Die Elektronische ID wird im täglichen Leben selbstverständlich genutzt. Auch beim E-Voting ist Estland nach wie vor das Vorzeigeland, erläuterte Prof. Dr. Dr. Robert Krimmer von der TalTech University in Tallinn, während sich Österreich für die Briefwahl entschieden hat, was zur teuersten Form des Wählens zählt.

Einen Blick auf die öffentlichen Finanzen aber auch genauso auf die erzielten Wirkungen zu werfen, ist die Aufgabe des Schottischen Rechnungshofs, wie Peter Worsdale und Sarah Pollok ausführten. Das Schulsystem wurde zum Beispiel unter die Lupe genommen und mit einem begleitenden Beratungsangebot sollen die Empfehlungen umgesetzt werden. Die Südtiroler hingegen haben im Zuge des Reformprojekts „Innovative Verwaltung 2018“ einen Beirat zur „Spending Review“ gemacht, wo die öffentlichen Ausgaben eine fundierten Kritik unterzogen wurden und fachliche Vorschläge durch einen unabhängigen Beirat entwickelt wurden. Das Public Management Institut der EURAC in Bozen, allen voran Peter Decarli, der hier von wissenschaftlicher Seite unterstützte, ermöglichte Einblicke, die in Bälde publiziert werden. Dass nicht alle Vorschläge den Weg in die Umsetzung finden, ist im politisch-administrativen System gut nachvollziehbar. Die Perspektive der politischen Entscheidungsfindung brachte uns der rumänische Wirtschaftsberaters des Premierministers (Dr. Tanase Stamule, gleichzeitig Dekan an der Bukarester Wirtschaftsuniversität ASE) näher und nahm dabei auch Bezug auf die aktuelle Bewältigung der Corona-Krise. Die Ausnahmesituation war auch Ansatzpunkt, wie sich die Governance-Strukturen verändern, was aus dänischer Sicht beforscht wurde (Prof. Carsten Greve, Copenhagen Business School). Hier ergaben sich interessante Parallelen zum virtuellen Besuch an der top-ranked „University of Edinburgh“ mit Prof. Stephen Osborne, der betonte, wie wichtig es ist, nachhaltig Werte zu schaffen im „Ökosystem“ der öffentlichen Hand. Dabei spielen nicht nur Hardfacts eine Rolle. Wie das tatsächlich funktioniert und was dabei wichtig ist, wurde an weiteren Beispielen von ForschungsmitarbeiterInnen und PhD Studierenden praktisch dargelegt beispielsweise durch Inklusion von beeinträchtigen Personen in künstlerischen Projekten, oder durch spezielle Beratungsangebote in der Arbeitslosenberatung oder durch die Information von Risikofaktoren, was im Gesundheitsbereich dazu führt, sich eher an Regeln und medizinische Empfehlungen zu halten. Apropos Medizin und Gesundheit – durch die demographische Entwicklung sind assistive Systeme, die von Älteren als hilfreich und nicht störend empfunden werden ein wichtiges Forschungsfeld. Sonja Vigl, der EURAC Bozen, stellte eine nutzerzentrierte internationale Studie vor, wie solche vernetzten Hilfesysteme (Notfalluhr, Sturzsensor, …) gebrauchstauglich entwickelt werden können – ganz im Sinne des Value Creation Ansatzes. Das sollte langfristig auch die öffentlichen Finanzen entlasten, und Entwicklungsspielräume – u.a. auf kommunaler Ebene – schaffen. Wie es der kommunalen Ebene tatsächlich geht, präsentierte facettenreich Prof. Dr. Reto Steiner (Direktor der ZHAW School of Management and Law in Winterthur und Professor für Public Management) und Jana Machljankin. Die Schweizer Gemeinden genießen eine hohe Autonomie, sind jedoch – u.a. aufgrund ihrer Kleinheit – mitunter unter Druck geraten neue Wege zu gehen. Kooperationen und Regionalisierung sind neben den (freiwilligen) Fusionen eine wichtige Entwicklung geworden. Dass der Beruf des Politikers insb. in kleineren Gemeinden aufgrund der wachsenden Anforderungen und der mitunter mäßigen Entlohnung nicht mehr so attraktiv ist, sind Phänomene, die auch in Österreich beobachtet werden können.

Ganz schön anstrengend, aber rundum gelungen und um viele Eindrücke reicher sind die Public ManagerInnen nach dieser Woche „internationaler best practice“-Beispiele. Durch die Segnungen der Informationstechnologie war diese virtuelle Reise in dieser kurzen Zeit möglich. Dennoch: die ursprünglich geplante Destination Edinburgh bleibt auf dem Reiseplan!

Die Studierenden des Masterstudiums Gesundheits-, Sozial- und Public Management (Schwerpunkt Public Management) bei ihrer virtuellen Exkursion

FH-Prof. Dr. Franziska Cecon auf ihrer virtuellen Reise mit den Studierenden