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Studierende der FH Oberösterreich zeigen Engagement in der Krise

Sie helfen in den Uniformen der Rettungsdienste, versorgen ihre Mitmenschen mit Lebensmitteln oder vernetzen online wichtige Akteure: Auch abseits des virtuell weiter geführten Studienbetriebs leisten Studierende der FH Oberösterreich in der Coronakrise Großartiges. „Viele unserer Studierenden betreiben ihre sozialen Aktivitäten schon seit langer Zeit, intensivieren sie aber jetzt noch zusätzlich“ weiß Dr. Gerald Reisinger, Geschäftsführer der FH Oberösterreich.


Besonders gefordert sind aktuell die Sanitäts- und Rettungsdienste des Roten Kreuzes sowie des Samariterbundes. Maria Sandberger aus Grieskirchen schlüpft ein bis zwei Mal pro Woche in die Uniform des Roten Kreuzes, um der Dienststelle ihrer Heimatstadt im Rettungsdienst und bei Coronatests zu helfen. „So habe ich die Möglichkeit aktiv gegen die Krankheit zu wirken“ berichtet Sandberger, die an der Fakultät Linz Soziale Arbeit studiert. Der Austausch mit Menschen in sinnvollem Rahmen tue ihr gut. Bei den Tests im sogenannten „Corona Drive-In“ arbeiten in Grieskirchen Rotes Kreuz, Freiwillige Feuerwehr und Medizinstudierende zusammen. Sandberger dokumentiert jeweils die Informationen und muss dabei eine strenge Verschwiegenheitspflicht beachten.

Ob Angst im Spiel ist? Im Rettungsdienst tragen alle Sanitäter*innen Schutzmasken, auch die Patien*innen bekommen welche. Dadurch ist das Ansteckungsrisiko minimiert.  Ein Restrisiko bleibt, wie auch Michelle Steinberger aus Wels bestätigt. Neben ihrem Masterstudium Werkstoffwissenschaften und Fertigungstechnik an der Fakultät Wels ist sie Transportführerin in einem Rettungsauto. Nach dem Motto „was man gerne macht, macht man gut“ ist sie trotz steigender Ungewissheit voller Motivation für die Rettung. Ein Vorteil sei es, dass ihr Privatleben eng mit der Rettung verwoben ist und sie dort auch ihre Freunde hat.

Dankbarkeit spüre man bei dieser Tätigkeit nicht nur jetzt, sondern zu jeder anderen Zeit auch, findet der Gramastettner Lukas Buchner. Er studiert in Wels Automatisierungstechnik und ist beim Samariterbund im Rettungsteam. „Menschen sind immer dankbar, wenn man ihnen in Notsituationen hilft“.

Spitäler und Medizinstudierende vernetzen

Auf ganz andere Art unterstützt Alexandra Diendorfer, die in Hagenberg das Masterstudium Kommunikation, Wissen und Medien absolviert, das Gesundheitswesen. In den letzten beiden Wochen konnten sich 25.000 Studierende und 300 Institutionen in Österreich und Deutschland dank der Initiative medis-vs.-COVID19 vernetzen. Zur besseren Organisation wurde kurz darauf die neue kostenlose Online-Plattform „match4healthcare“ ins Leben gerufen. Zusammen mit vier Medizinstudierenden war die 23-jährige Pregartnerin dabei federführend. Über match4healthcare wird das Angebot der Helfenden mit dem Bedarf der Hilfesuchenden gezielt gematcht. „Wir haben die Schlagzeilen verfolgt und wollten nicht untätig zuhause sitzen“ erzählt Diendorfer. Sie führte parallel zu Studium und Teilzeitarbeit unzählige Gespräche mit Personalvertreter*innen der diversen Krankenhausträger*innen, beantwortet dringende Hilfsanfragen und kümmerte sich um Aufbau, Konzept und Social-Media-Marketing der Plattform, insbesondere für Österreich.

Die IT-Kompetenz aus Hagenberg kommt der Gesellschaft in vielfacher Form zugute: Das Startup Fretello unterstützt etwa heimische Musikschulen bei der Fernlehre und Beschäftigung ihrer Musikschüler, mit Presono bietet ein weiteres Startup Support für Klein- und Mittelbetriebe beim mobilen Arbeiten. Auch die Firma Fanation, die eine kostenlose App zur Mitarbeiterkommunikation bietet, wurde von Hagenberg-Alumni gegründet.

Heldinnen des Alltags

Das Studium Agrartechnologie und -management in Wels und die Arbeit in der elterlichen Landwirtschaft sorgen auch in normalen Zeiten dafür, dass bei Julia Nöhammer aus Rüstorf  keine Langeweile aufkommt. Nun ist sie auch noch bei einem Einkaufsdienst für ältere Mitbürger aktiv. „Die Einkaufsfahrten verlaufen recht unkompliziert. Die Einkaufsliste wird am Telefon durchgegeben, ich schreibe mit und sende ein Foto und die Telefonnummer in unsere Whatsapp-Gruppe. Mit einem Daumen hoch können sich die 33 Mitglieder melden, jemand hat schließlich immer Zeit“ schildert die 20-jährige. Die Einkäufe kommen vor die Tür, der Rechnungsbetrag wird per Telefon kommuniziert. Auf Abstand legen die Kund*innen wert, was allerdings auch deren gelegentlichen Wunsch nach Plaudereien ausschließt.

Da der Sozialmarkt "Arcade" in Freistadt Großteils von ehrenamtlichen Pensionist*innen betrieben wird, sind Sozialarbeitsstudentin Alexandra Röhrenbacher und ihre Schwester spontan eingesprungen. Sie arbeiten während der Öffnungszeiten an der Kasse. „Viele Menschen sind auf den Sozialmarkt angewiesen. Gerade jetzt, wo so viele auch ihre Jobs verlieren ist es mir wichtig, diesen Markt solange es geht am Laufen zu halten“ erzählt Röhrenbacher über ihre Motivation.

Stichwort Lebensmittelhandel: Jennifer Hödl, ebenfalls Sozialarbeitsstudentin in Linz, arbeitet bereits seit 10 Jahren im Verkauf eines Mühlviertler Lebensmittelgeschäftes. Zurecht meint sie, dieser Beruf habe bisher kaum Anerkennung erhalten. Die öffentliche Meinung korrigiert das erst jetzt etwas, da die vorwiegend weiblichen Handelsmitarbeiterinnen täglich die Versorgung sichern und sich dabei Ansteckungsrisiken aussetzen.

Maria Sandberger aus Grieskirchen ist eine von vielen Studierenden der FH Oberösterreich, die sich auch in der Coronakrise sozial engagieren - in ihrem Fall beim Roten Kreuz. Bildquelle: Privat

FH Oberösterreich-Studentin Julia Nöhammer trägt mit ihrem Einkaufsdienst zum Schutz von Risikogruppen bei. (Hinweis: Das Bild entstand noch vor der Maskenpflicht in den Supermärkten) Bildquelle: Privat

Alexandar Diendorfer aus Pregarten, die am Campus Hagenberg Kommunikation, Wissen, Medien studiert, ist Mit-Initiatiorin der Plattform match4healthcare, die Medizinstudierende und Spitäler vernetzt. Bildquelle: privat