Campus LinzMedizintechnik & Angewandte Sozialwissenschaften

News/AktuellesFH OÖ Campus Linz

PUMAs auf virtuellem Lokalaugenschein: Vom Leerstand zum Standortentwicklungsprojekt mit Strahlkraft

2009 war Linz Kulturhauptstadt Europas und das Areal der aufgelassenen Tabakfabrik wurde seitens der Stadt Linz angekauft. Eine weitsichtige Entscheidung, wie aus heutiger Sicht, zweifelsohne behauptet werden kann. Die Tabakfabrik Linz (TFL) ist österreichweit und darüber hinaus beachtetes Projekt, wie eine innovative Revitalisierung möglich ist. Heute ist die TFL ein Kreativwirtschaftszentrum, wie Marlene Penn über die wechselvolle Geschichte der Tabakfabrik für die Public Management Studierenden aus dem Master-Studium GSP (bitte verlinken) ausführte. Die Entwicklung von der Textilfabrik über die Tabakfabrik bis hin zum zeitgemäßen Mix aus Digitalisierung, Innovation, Bildung, Sozialem und Start-Ups ist zum Markenzeichen geworden. Dabei wird Vielfalt groß geschrieben. Sogar potentielle Mieter*innen werden nach dem Benefit für das Zentrum ausgewählt, der die Vielfältigkeit, Synergien untereinander und die Community am Standort stärkt. Heute finden über 2000 Menschen einen Arbeitsplatz auf dem Areal von 70.000 m². Zu Zeiten der Tabakfabrik waren dies nur 300.

Es sind vor allem die Kooperationen und Netzwerke, die am Standort entstehen. In der Praxis empfehlen sich die Mieter*innen gegenseitig weiter und unterstützt sich in unterschiedlichen Angelegenheiten. Daher ist der Mix auch so wichtig, nach dem Motto: „Es soll jeder Bereich gut abgedeckt sein“. Auch die Gastronomie – im Februar 2022 ist die Eröffnung des Linzer Biers im ehemaligen Kraftwerk geplant – ist ein Beitrag sein, um die Community in der Tabakfabrik zu stärken.

Die Betreibersicht ist das eine, tatsächlich die Mieter*innen und ihre Perspektive kennen zu lernen ist das andere. Drei sehr unterschiedliche Einrichtungen nahmen sich für die Studierenden Zeit, stellten ihre Arbeit vor, ihre Standortwahl und ihre Erfahrungen.

Vresh – faire Mode made in Europe – wurde den Studierenden von Public Management (PUMA) von Michaela Gahleitner vorgestellt. Schnell wurde klar, dass die Auswahl der Location in der Tabakfabrik Linz das Wohlfühlgefühl am Standort war. Der Ort passt zum Label und wofür es steht: es zeigt den Weg auf, wie die Textilbranche nachhaltiger werden kann. Nachhaltig wird in allen Phasen gelebt. Die Produktion in portugiesischen Unternehmen, verkürzt Transportwege und schafft Wertschöpfung in Europa zu fairen Arbeitsbedingungen und guter Bezahlung, der Auswahl der verarbeiteten Stoffe, bis hin zur Kleidung selbst, die durch schlichtes Design, ohne Aufdrucke usw. langlebig und gut kombinierbar sein soll. „Textilien sind und bleiben Handarbeit, wir möchten dieser wieder einen Wert geben,“ so die findige Unternehmerin. Für das Unternehmen ist es wichtiger, für Kunden transparent zu arbeiten als nur Zertifikate zu „jagen“.

Fabian Grabner, spricht begeistert von der Grand Garage, dem Maker Space der Tabakfabrik Linz auf 4000 m2. Es ist eine Projekt- und Kollaborationsfläche mit vielen High-Tech-Maschinen, die Membern zur Verfügung steht. Besonders ist auch die Anbindung jeder Maschine mit den Rechnern, wo zuvor z.B. die CAD-Zeichnung erstellt wurde. Die Grand Garage entstand aus dem Bedürfnis heraus, dass Schüler ihre eigenen Projekte in einer offenen Werkstatt realisieren wollten, also von der Idee bis zum tatsächlichen Endprodukt. Das passt gut zur Startup-Szene, die hier z.B. auch Prototypen entwickeln kann. Neben dem Communitybereich (auch offen für die Interessierte) ist die Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen und die Bildung an sich ein wichtiger Faktor ist. Angeboten werden Einführungsworkshops bis zu Lehrveranstaltungen von Hochschulen direkt am Standort. Beim offenen Tech-Brunch wird über technischen Fortschritt informiert und diskutiert.

Die dritte Einrichtung war das „Tangible Music Lab“, das Prof. Dr. Martin Kaltenbrunner von der Kunstuni Linz, 2020 ins Leben gerufen hat. und bei dem um den digitalen Musikinstrumente-Bau geht. Experimentiert und geforscht wird über die Mensch-Maschine-Interaktion, die angreifbaren Schnittstellen und die digitale Visualisierung. Kaltenbrunners Credo ist dabei, dass „die digitalen Kulturtechniken nicht ersetzen, sondern die bestehenden, aktustischen oder elektronischen Instrumente ergänzen“. Beispielsweise wird an Musikinstrumenten für Tiere geforscht, um ihnen das Leben in Gefangenschaft zu erleichtern, so z.B. für Papgeien oder Elefanten, die für ihr Rhythmusgefühl bekannt sind. Bekannt und öffentlich zugänglich war die „Schallmauer im Musiktheater“, die Klang spürbar machte. Um die Ideen des Tangible Music Labs zu realisieren, „braucht es viel Bastelinfrastruktur, da ist die TFL ideal“, so Kaltenbrunner. Dazu kommt noch der Austausch mit den ansässigen Unternehmen und Organisationen wie die Creative Region. Für ihn insgesamt ein Segen, an der TFL gelandet zu sein.

Auch für die Studierenden war der Nachmittag im Austausch mit „der Tabakfabrik“ ein voller Gewinn und inspirierend, wie die schrittweise Nachnutzung eines ehemaligen Industrieareals mit Vision, Herz und Verstand gelingen kann.

 

Autor*innen dieses Beitrages: Daniel Hagendorf, FH-Prof. Dr. Franziska Cecon 

Inspiriert von der Tabakfabrik Linz – ein Stadtentwicklungsprojekt das Vorbildcharakter aufweist

Die Mieter*innen sind begeistert, Teil dieser Community zu sein: Vresh und Grand Garage als Aushängeschilder für Vielfalt, Nachhaltigkeit und Innovation