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Gastvortrag: Wie Politik funktioniert

„Die Politik als Tauschgeschäft zwischen den Parteien funktioniere immer über Netzwerke und Kompromisse“, so der aus dem Salzkammergut stammende Helmut Gotthartsleitner. In seinem interessanten Gastvortrag am FH-Campus referierte der dynamische 37-jährige Büro- und Bereichsleiter der SPÖ Landesgeschäftsstelle OÖ im Rahmen der Lehrveranstaltung „Verwaltung und Politik“ über Strukturen, Herausforderungen und Handlungslogiken des Parteiensystems. Einer besonderen Bedeutung spricht Gotthartsleitner dabei dem Verhandlungsgeschick zu. Innerhalb des verzahnten politischen Systems sei es wichtig, dieses zu verstehen und im politischen Gerangel Kompromisse zu finden. Kooperation stehe an erster Stelle.

„Ich bin in die Politik gegangen, um Rahmenbedingungen zu verändern.“ Rahmenbedingungen, die von Gesetzen, Förderungen usw. abhängig sind und die Kooperation mit unterschiedlichsten Anspruchgruppen wie der Landespolitik oder Gemeinden verlangen.

Gotthartsleiter, der eigentlich Kindergärtner werden wollte, jedoch in den Gmundner‘ Zementwerken den Lehrberuf des Maschinen-/Betriebsschlossers erlernte, begann seine politische Tätigkeit bereits sehr früh. Mit zehn Jahren schon bei den Roten Falken, einer sozialdemokratischen Kinder- und Jugendorganisation, und später Geschäftsführer der Tiroler Kinderfreunde. Im Zuge dieser Funktion verbesserte er etwa die sozialen Rahmenbedingungen für Kinder aus Pflegefamilien, in dem er die Ferienaktion wieder eingeführt hat. Gemeinsame Aktivitäten mit anderen Kindern ermöglichten es, Beziehungen untereinander zu knüpfen und aufzubauen.

Als Leiter der Bundesjugendabteilung der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier übte sich der junge Politiker im Verhandlungsgeschick, in dem er den Kollektivvertrag für Handelsangestellte mitverhandelte.

Gotthartsleitner referierte auch über die Entstehungsgeschichte und die Hintergründe der SPÖ. Die SPÖ „käme aus einer ArbeiterInnenbewegung“ und „sollte ursprünglich die soziale Situation der ArbeiterInnen verbessern“. Die Gründung der österreichischen Sozialdemokratie erfolgte von 1888 bis 1889 im niederösterreichischen Hainfeld. Aktuell sei die oberösterreichische Sozialdemokratie auf mehreren Ebenen tätig: in Form von Frau Birgit Gerstorfer als Landesrätin in der Landesregierung, durch die Abgeordneten im oberösterreichischen Landtag und im Nationalrat, die Mitglieder im Bundesrat, rund 95 sozialdemokratische BürgermeisterInnen und in den Gemeinderäten. 

Um das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure in der Politik und die Schwierigkeit der Kompromissfindung bei Verhandlungsgesprächen für die „Public Management“-Studierenden nachvollziehbar zu machen, baute Helmut Gotthartsleitner eine sogenannte „Fishbowl-Übung“ in seinen Vortrag ein, die sich gut für Streitfragen und offene Diskussionsprozesse eignet. Hier wurden verschiedene Rollen bzw. Aufträge an die Studierenden verteilt (wie z.B. Vorsitzender im Landtagsklub) und eine Sitzung des oberösterreichischen Landtags nachgebildet. Eine besonders anschauliche Art eines Rollenspiels, das einen bleibenden Eindruck hinterließ und Gotthartsleitner’s Statement „Politik funktioniert immer über Netzwerke und Kompromisse!“ einmal mehr bestätigte.

"Was könnte aus Sicht eines Landtagsabgeordneten wichtig sein?" fragt Gastreferent Helmut Gotthartsleitner(im Bild 3. v.r.) - Vorberatungen im kleinen Kreis für die „Fish Bowl“

Simuliert wurden die unterschiedlichen organisatorischen Rollen innerhalb einer Partei – wenn auch das inhaltliche Anliegen eint, sind doch die jeweiligen Sichtweisen verschieden