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Die neue Gesundheitsnorm in Europa: ÖNORM EN 15224

Die Patientensicherheit steht auf der politischen Agenda der EU ganz oben!

Am 23. Jänner fand an der Fachhochschule OÖ eine Konferenz zur im Dezember 2012 von der EU erschienenen Gesundheitsnorm ÖNORM EN 15224 statt. Die neue Norm hat Vorreiterrolle bei der Dienstleistungserbringung im Gesundheitswesen (sowie in Bereichen des Sozialsystems, die Gesundheitsleistungen erbringen). Die Norm ist somit  für ein breites Feld des Gesundheits- und Sozialbereichs entwickelt: Krankenhäuser, Rehabilitationszentren, Pflegeheime, medizinische Praxen, Hospize, Zahngesundheitsdienst, Vorklinische Versorgung, Medizinisch Technische Dienste, Arbeitsschutzdienstleistungen, Jugendwohlfahrt, Apotheken u.vm. Jeder Mitgliedstaat der EU ist verpflichtet, diese Norm in das nationale Recht umzusetzen.

Inhalte der Konferenz waren einerseits die Norm in ihrer inhaltlichen Struktur und ihrem Anwendungsbereich vorzustellen sowie andererseits Herausforderungen und politische Rahmenbedingungen zu diskutieren. Den Abschluss stellten Praxisbeipiele aus dem Risikomanagement und aus dem Alltag der Zertifizierung und QM-Etablierung dar.

Die Norm kann auf allen Ebenen einer Organisation umgesetzt werden. Sie ist unabhängig von Organisation, Eigentümer, Typ und Umfang. Der Anwendungsbereich erstreckt sich über 3 Typen von Gesundheitsversorgungsprozessen: Klinische Prozesse, Forschung und Ausbildung. Der Schwerpunkt in den Anforderungen liegt dabei in den klinischen Prozessen (Darlegung der Prozesse, Validierung der Prozesse, Prozessüberwachung).

Alle ExpertInnen empfehlen bei einer Über- oder Neuerarbeitung eines Qualitätsmanagementssystems jedenfalls die 11 Qualitätsbegriffe der Norm (Qualitätsmerkmale) in Bezug auf qualitative Anforderungen zu berücksichtigen: Angemessene, richtige Versorgung, Verfügbarkeit, Kontinuität der Versorgung, Wirksamkeit, Effizienz, Gleichheit, evidenzbasiert/wissensbasiert Versorgung, Ausrichtung auf den/die PatientIn in seiner Gesamtheit, PatientInnensicherheit, Mitwirkung der PatientIn, Rechzeitigkeit/Zugänglichkeit. Besondere Herausforderungen liegen laut expliziter Anmerkung in der Norm u.a im Prozess-, Risiko-, Dokumentations-, Wissens-, Qualifikations- und Kompetenzmanagement aller an der Leistungserstellung direkt oder indirekt beteiligten Personen, die durch die persönliche Selbstverpflichtung der Leitung des Unternehmens sicher zu stellen ist.

Im weiteren darf es in einem Staat nur mehr eine nationale Akkreditierungsstelle, die im Autrag des Staates Akkreditierungen durchführt, geben.  In Österreich ist dies die „Akkreditierung Austria“ des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend. Einem Wildwuchs an Akkreditierungen und somit Zertifizierungen soll ein Riegel vorgeschoben werden.

 Die Norm ist über das Austrian Standards Institut zu beziehen.

Im November diesen Jahres als auch im Januar 2014 findet ein 4-tägiges Seminar zur ÖNORM EN 15224 an der FH OÖ in Linz statt. Bei Interesse und weiteren Auskünften wenden Sie sich bitte an: silvia.neumann-ponesch@fh-linz.at