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Software aus Hagenberg zeigt neue Wege in der Therapie von lernschwachen Kindern auf

FH-Absolvent entwickelt preisgekrönten Prototyp für Microsoft Multimedia-Tisch


Therapeuten nutzen heute den Computer als wichtiges Hilfsmittel in ihrer Arbeit mit Patienten. Dabei fehlte ihnen jedoch oft eine Einbindungsmöglichkeit für angreifbare Objekte, die wesentliche Elemente vieler therapeutischer Übungen darstellen. Wie diese doch integriert werden können, zeigt Roman Schacherl, Absolvent des FH OÖ-Studiums Software Engineering in Hagenberg, auf. Seine Software fun.tast.tisch in Verbindung mit dem Multi-Touch-Tisch „Microsoft Surface“ liefert neue Ideen für die computerunterstützte Therapie von Kindern mit Lernschwäche. Dafür erhielt der 24-Jährige aus St. Florian nun gleich zwei Preise vom Verein Deutscher Ingenieure.

Roman Schacherl entwickelte fun.tast.tisch im Rahmen seiner Master-Arbeit an der FH OÖ Fakultät für Informatik, Kommunikation und Medien in Hagenberg. Darin beschäftigte er sich mit Einsatzmöglichkeiten von Microsofts „Tisch voller Technik“, Surface, in der Therapie von Kindern mit Lernschwächen. Dieser Multimedia-Tisch eignet sich durch seine berührungssensitive Oberfläche gut für die computerunterstützte Therapie.
 
„Maus und Tastatur können von den Patienten mit Bewegungseinschränkungen oder Lernschwächen gar nicht oder nur schlecht bedient werden“, erklärt der FH-Absolvent. „Wesentlich besser für sie geeignet ist eine direkte Interaktion mit den Händen – wie sie in Form von Multi-Touch-Benutzeroberflächen heute bei vielen Handys, Tablet PCs wie dem iPad und eben auch Microsoft Surface zu finden ist.“

In Zusammenarbeit mit Therapeuten und Experten der Linzer Firma LifeTool erarbeitete Schacherl einen Software-Prototyp für Surface, der verschiedene Übungen für die Therapie von Kindern mit Lernschwächen bereitstellt. Damit kann nun beispielsweise eine Fähigkeit trainiert werden, die Kinder meist im Alter von 6-7 Jahren erlangen und mit der Behinderte oft ein ganzes Leben lang Probleme haben: das Hineinversetzen in andere Sichtweisen. Dazu werden in die Mitte der Surface Tischoberfläche verschiedenförmige Bausteine gestellt und beliebig angeordnet. Auf vier Bildern wird dann in Echtzeit die eigene Ansicht der Bausteine, sowie die Ansicht einer links, einer rechts, und einer gegenüber sitzenden Person visualisiert. Der Patient hat nun die Aufgabe, sich in die anderen Personen hineinzuversetzen und das jeweilige Bild an die richtige Position zu schieben.

Mehrfach ausgezeichnet

Roman Schacherl zeigt somit auf innovative Art und Weise, wie ein „Computer der Zukunft“ als Unterstützung in der Therapie eingesetzt und der Tastsinn in die computerunterstützte Behandlung integriert werden kann. Kindern mit geistiger Behinderung oder auch Personen mit Hirnschäden, wie Schlaganfallpatienten, könnte durch eine Software wie fun.tast.tisch eine weitere Möglichkeit der gezielten Förderung geboten werden. Der Therapeut wiederum kann die Fähigkeiten seiner Patienten durch die direkte Interaktionsmöglichkeit zielgenauer messen, und durch die digitale Speicherung der Übungsverläufe auf dem Tisch genauer auswerten und vergleichen.

Für diese Leistung zeichnete der Verein Deutscher Ingenieure (VDI), die größte Vereinigung von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern in der Bundesrepublik, den Oberösterreicher aus. Ende November erhielt er in München einen Preis für seine hervorragende Diplomarbeit und durfte zudem noch den Extrapreis für den "größten Beitrag zur Gesellschaft" entgegennehmen.

„Nach einem Jahr Entwicklungszeit ist es ein tolles Gefühl, mit diesen Preisen von Industrieexperten ausgezeichnet zu werden“, freut sich Schacherl. Bereits vergangenen Mai konnte er fun.tast.tisch auch im Rahmen des Microsoft Innovation Awards in Wien einem internationalen Publikum aus Politik, Wirtschaft und Forschung präsentieren.

Die Erfahrungen, die Schacherl durch seine Master-Arbeit gewonnen hat, nutzt er nun als selbständiger Softwareentwickler. Er gründete die Firma smilecompany software solutions, die sich auf Software für neueste Microsoft Technologien spezialisiert. Zudem ist der FH-Absolvent als nebenberuflich Lehrender am FH-Studiengang Software Engineering in Hagenberg tätig.

fun.tast.tisch auf Microsofts Surface-Tisch
v.l.n.r.: Josef Altmann, Roman Schacherl, Bernd-Robert Höhn

Ausgezeichnet mit dem VDI-Preis für den größten Beitrag zur Gesellschaft: FH Hagenberg-Absolvent Roman Schacherl (Mitte) mit seinem Diplomarbeitsbetreuer Mag. Dr. Josef Altmann (links) und Dr.-Ing. Bernd-Robert Höhn, dem Vorstandsvorsitzender des VDI-Bezirksvereins München (Bildquelle: FH OÖ)

fun.tast.tisch auf Microsofts Surface-Tisch

Schacherls Software fun.tast.tisch zeigt, wie der interaktive Multi-Touch-Tisch Microsoft Surface in der Therapie von Kindern mit Lernschwäche eingesetzt werden kann. (Bildquelle: FH OÖ)