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Doktoren im höchsten Grad: Wieder sub-auspiciis-Auszeichnung für FH OÖ-Absolventen

Mit der höchsten Studienauszeichnung des Landes, der „Promotio sub auspiciis praesidentis rei publicae“, wurden am 18. April DI (FH) Verena Geist und DI (FH) Stefan Mitsch bei ihrer Promotion an der Johannes Kepler Universität Linz geehrt. Bundespräsident Heinz Fischer überreichte den beiden Absolventen der FH Oberösterreich in Hagenberg den Goldenen Ehrenring der Republik.

Verena Geist (29) aus Steyr und Stefan Mitsch (32) aus Frankenmarkt gehören somit zu jenem illustren Kreis von rund zehn Doktoranden pro Jahr, die von der Republik Österreich für ihre außerordentlichen Leistungen in ihrer schulischen und akademischen Laufbahn gewürdigt werden. Sie erreichten in der Oberstufe einen Notendurchschnitt von unter 1.5, bestanden die Matura mit Auszeichnung und absolvierten in ihrer Studienzeit alle Diplom- und Rigorosenprüfungen sowie die Diplomarbeit und die Dissertation mit "Sehr gut".

Mit Verena Geist und Stefan Mitsch promovierten nun bereits vier Absolventen der FH OÖ Fakultät für Informatik, Kommunikation und Medien in Hagenberg zum Doktor der Technischen Wissenschaften im höchsten Grad, also „sub auspiciis praesidentis rei publicae“. 2011 erhielt die gebürtige Linzerin und Software Engineering Absolventin Patricia Derler diese Auszeichnung an der Universität Salzburg, 2010 wurde diese Würdigung dem gebürtigen Goldwörther und Medientechnik) und -design Absolventen Gerald Madlmayr an der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) zuteil.

Verena Geist: Explosion entfachte IT-Leidenschaft

Es war eine Bildschirmexplosion, die in Verena Geists Leben die Richtung vorgegeben hat. Schon in der Volksschulzeit saß sie daheim in Steyr am liebsten vor dem Computer ihrer Eltern, beide Grundschullehrer. Eines Tages explodierte dieser. Verena Geist blieb unversehrt und war nun noch mehr vom Computer fasziniert.

Im Gymnasium Werndlpark in Steyr lag ihr Schwerpunkt dann zwar auf Sprachen, doch Mathematik blieb ihr Lieblingsfach und Programmieren zu lernen weiterhin ihr Ziel. Damit war für die Steyrerin auch die Studienwahl klar: 2001 begann sie das Diplomstudium „Software Engineering für Medizin“ an der FH OÖ in Hagenberg.

Vom Programmierneuling zur Koryphäe

Wenn Verena Geist am Anfang ihres FH-Studiums auch wegen spärlicher Programmierkenntnisse zu kämpfen hatte, so entwickelte sie sich schnell zu einer der besten Studentinnen ihres Jahrgangs – auch durch den motivierenden Zuspruch ihrer Professoren, allen voran Dr. Heinz Dobler.

„Die Ausbildung in Hagenberg war professionell, und mein Jahrgang eine überschaubare Gruppe von Studierenden, die von den Lehrenden an der FH auch in menschlicher Hinsicht wunderbar begleitet wurde“, erinnert sich Verena Geist.

Mit Zielstrebigkeit und hervorragenden Leistungen überzeugte die Steyrerin nicht nur während ihres Software Engineering Studiums, sondern auch nach ihrem Fachhochschul-Abschluss 2005. Für ihre herausragenden Studienleistungen erhielt sie bereits an der FH ein Leistungsstipendium und den Best Academic Thesis Award. Im November vergangenen Jahres verlieh ihr dann Generalsekretär Mag. Friedrich Faulhammer den Würdigungspreis des Bundesministers für Wissenschaft und Forschung.

Passionierte Forscherin

Verena Geist blieb Hagenberg auch nach ihrem FH-Abschluss verbunden. Seit 2005 ist sie am Software Competence Center Hagenberg (SCCH) als Industrial Researcher tätig. Sie dissertierte am Institut für Anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW) der JKU im Softwarepark Hagenberg. In ihrer Dissertation widmete sie sich dem Forschungsthema „Integrierte, ausführbare Spezifikation für Geschäftsprozesse und Systemdialoge“. Darin präsentiert sie einen neuartigen, typbasierten Ansatz für die Integration von Workflowmanagement und Anwendungsprogrammierung und beschäftigte sich somit mit einem grundlegenden Problem aus dem Bereich des Geschäftsprozessmanagements.

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Doktorats will Verena Geist sich künftig weiterhin ihrer Passion, der Grundlagenforschung, widmen. Sie arbeitet derzeit am SCCH an einem grundlagenorientierten Forschungsprojekt zur Formalisierung von Workflowdefinitionssprachen und damit einer Weiterführung ihrer Dissertation.

Auch ihr privater Lebensmittelpunkt ist nicht weit von Hagenberg entfernt: Mit ihrem Lebenspartner lebt Verena Geist in Gallneukirchen.

Stefan Mitsch: Vom Hausruck- ins Mühlviertel

Den gebürtigen Frankenmarkter Stefan Mitsch führte seine Ausbildung in gleich drei der vier Viertel Oberösterreichs: Vom Realgymnasium in Vöcklabruck ging es über die HTL in Braunau schließlich an die FH OÖ in Hagenberg. Dort startete er 2000 das Diplomstudium „Software Engineering“. Wie Verena Geist lernte er die FH wegen der optimalen Betreuungsverhältnisse, der hervorragenden Ausbildung und der guten Studentengemeinschaft schätzen.

“Die FH in Hagenberg war eine perfekte Vorbereitung für das Doktorat und Forschungsprojekte. Das dort vermittelte tiefgehende Know-How im technischen Bereich ermöglichte mir den raschen Einstieg in neue Technologien und Anwendungsfelder, die Erfahrungen aus den Studienprojekten und Sozialkompetenzseminaren vermittelte mir eine selbständige und organisierte Arbeitsmethodik“, sagt Stefan Mitsch. „Zudem waren die Professoren äußert engagiert und fanden immer Zeit für uns Studenten.“

Auch an das tiefe Gemeinschaftsgefühl unter den Studenten und die gemeinsam organisierten Freizeitaktivitäten und Feste erinnert Stefan Mitsch sich gerne zurück.

Kein Wunder also, dass auch er Hagenberg nach dem FH-Abschluss treu blieb – beruflich wie privat. Er arbeitete zuerst als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Research Center der FH OÖ und startete dann als nebenberuflich Lehrender in den FH-Studiengängen „Medizin- und Bioinformatik“ und „Software Engineering“. Zudem baute er mit seiner Frau, einer FH-Studienkollegin und ebenfalls Software Engineering Absolventin, ein Haus in Hagenberg.

Forschung für unfallfreies Autofahren

Seine Dissertation schrieb Stefan Mitsch zum Thema „Towards Qualitative Prediction of Situation Evolution in Dynamic Spatial Systems“. Eine Anwendung seiner Forschungsaktivitäten ist im Straßenverkehr. Verkehrsabläufe wie die Entwicklung von Staus werden per Computer analysiert, um künftig Roboterautos mit optimalem Fahrverhalten zu ermöglichen und so Staus, Unfälle und Fehlverhalten im Strassenverkehr zu verhindern.

Nächste Station USA

Bereits während seines Doktorstudiums bewarb sich Stefan Mitsch erfolgreich für ein Marshall-Plan-Stipendium und war 2011 für drei Monate als „Short-term Scholar“ an der renommierten Carnegie Mellon University in Pittsburgh (USA). Dort plant er nun auch seine Studien als Post-Doktorand fortsetzen.

Derzeit hat Stefan Mitsch eine Stelle als Postdoc in der Information Systems Group der Institute für Bioinformatik und Telekooperation an der JKU Linz inne.

BP Fischer (rechts) mit Verena Geist

Bundespräsident Dr. Heinz Fischer ehrt DI (FH) Verena Geist, Absolventin der FH OÖ in Hagenberg, bei ihrer Promotion an der JKU am 18. April. (Foto: Dragan Tatic/HBF, Abdruck honorarfrei)

BP Fischer (rechts) mit Stefan Mitsch

Auch DI (FH) Stefan Mitsch, ebenfalls Absolvent der FH in Hagenberg, promovierte „sub auspiciis“. (Foto: Dragan Tatic/HBF, Abdruck honorarfrei)