
Martin Gooch, Direktor des Value Chain Management Centre in Kanada, erläuterte, wie alle Partner einer Wertschöpfungskette von einer Zusammenarbeit nachhaltig profitieren können. Bildquelle: FH OÖ (Abdruck honorarfrei)

Martin Gooch, Direktor des Value Chain Management Centre in Kanada, erläuterte, wie alle Partner einer Wertschöpfungskette von einer Zusammenarbeit nachhaltig profitieren können. Bildquelle: FH OÖ (Abdruck honorarfrei)
Das Thema „Value Chain Management“ (VCM) stand im Mittelpunkt einer internationalen Konferenz der FH OÖ Fakultät für Management am Campus Steyr. Value Chain Management befasst sich – vereinfacht ausgedrückt – mit der kundenorientierten Gestaltung der Wertschöpfungskette zum Nutzen aller Beteiligten. Als Fachmann auf diesem Gebiet referierte Martin Gooch, Direktor des Value Chain Management Centre in Ontario (Kanada), im Rahmen der ersten VCM-Konferenz in Steyr. Er zeigte auf, wie alle Beteiligten einer Wertschöpfungskette nachhaltig durch eine Zusammenarbeit profitieren, wie ein solcher Prozess in Gang gesetzt und Partnerschaften langfristig am Leben gehalten werden können.
Martin Gooch beschäftigt sich seit Jahren mit „Value Chain Management“ sowohl wissenschaftlich als auch in der Praxis – vor allem im Rahmen von Projekten im Agrar- und Lebensmittelbereich. Er setzt bei seinen Value Chain Management Projekten immer beim Konsumenten an: „Nur, was aus Sicht der Konsumenten wertvoll ist, schafft auch Wert. Das muss in jeder Stufe der dahinterliegenden Wertschöpfungskette berücksichtigt werden“, erläutert Gooch. So rollte er ein Projekt für kanadisches Schweinefleisch von Seiten der Konsumenten auf, bezog Händler, Fleischverarbeitungs- und Schlachtbetriebe, Züchter bzw. Bauern und deren Vorlieferanten für Futtermittel, usw. mit ein.
Neue Modelle für die Zukunft
Bei seinen Projekten stellte Martin Gooch fest, dass gerade traditionelle Bereiche wie die Agrar- oder Lebensmittelindustrie auf Veränderungen in ihrem Umfeld schlecht vorbereitet sind und aus der Vergangenheit heraus reagieren. „Geändertem Konsumentenverhalten, neuen Rahmenbedingungen und Markterfordernissen kann man nicht mit alten Problemlösungsmechanismen begegnen“, warnt Gooch. „Die alten Modelle funktionieren nicht mehr, das erfordert neue Lösungsansätze.“
Einen Lösungsweg sieht Martin Gooch in Value Chain Management: Dieses strategisch orientierte Wirtschaftsmodell kann Entscheidungsträger dabei unterstützen, auf geänderte Rahmenbedingungen rasch und richtig zu reagieren – ja mehr noch, aktiv die Zukunft zu gestalten. Es geht für die Beteiligten vor allem darum, Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette als strategische Ressource zu begreifen, entsprechend offen zu kommunizieren und diese Partnerschaften langfristig zu pflegen und weiter zu entwickeln.
Motivation, Neues zu lernen & anzuwenden
Richtig verstandenes Value Chain Management ist für viele Manager nach wie vor Neuland. „Damit ein Prozess angestoßen und langfristig erfolgreich sein kann, müssen die handelnden Personen lernwillig, offen, kommunikativ und kooperationsbereit sein“, weiß Martin Gooch. In seiner Forschungsarbeit entwickelt Martin Gooch mit seinem Team daher eine Methode, wie solch umfassende Prozesse und Kooperationen überhaupt gelingen und wie die unterschiedlichsten Beteiligten einer Wertschöpfungskette motiviert werden können, gemeinsam neue Wege zu gehen. Er setzt dabei auf „Lernen durch Erfahrung“. In moderierten Workshops lässt er die TeilnehmerInnen „aus erster Hand“ selbst Erfahrungen sammeln, neue Perspektiven einnehmen, uvm. „Zuerst muss den Leuten der Nutzen klar sein, daher fangen wir am Ende an: Wir zeigen ihnen, wie Erfolg aussieht“, erklärt Martin Gooch. „Wichtig ist auch, dass wir ein neutrales Umfeld schaffen und die TeilnehmerInnen offen kommunizieren können. Wir geben ihnen auch keine Lösung vor, sondern fördern nur den Austausch, motivieren zu neuen Denkanstößen indem wir sie andere Rollen einnehmen lassen, uvm.“ In den Workshops kommen Videos und Fallstudien zum Einsatz, es wird diskutiert und die TeilnehmerInnen werden angeregt, ihre bisherigen Denkweisen und Werte zu hinterfragen.
Erfolgreiche Methode
Seine Methode testet Martin Gooch laufend durch Befragungen der Teilnehmer im Anschluss an die Workshops und nach weiteren 14 Monaten. Dass seine Methode erfolgreich ist, bestätigen die Umfrageergebnisse und vor allem die Veränderungen bei den Teilnehmern. „Ganz wesentlich ist, dass die Manager wissen, warum sie etwas machen sollen, das Wie ist zweitrangig. Und die Änderung der Perspektive und der Motivation führte nachweislich zu einem geänderten Entscheidungsverhalten“, freut sich Martin Gooch über die Wirkung seiner Workshops. Die Tests werden ausgeweitet, um zu sehen, ob sie generalisiert werden können.
Value Chain Management am FH OÖ Campus Steyr
Dekan und Studiengangsleiter „Produktion und Management“ Prof. (FH) Dr. Herbert Jodlbauer blickt auf die erste Value Chain Management Konferenz Steyr 2011 äußerst zufrieden zurück: „Mit dem Thema der nachhaltigen Wertschöpfung haben wir voll ins Schwarze getroffen. Es ist uns gelungen, so hochkarätige Vortragende wie Martin Gooch für die VCM-Konferenz zu gewinnen. Und die Erkenntnisse werden uns in unserer Lehr- und Forschungstätigkeit an der Fakultät für Management in Steyr begleiten – ebenso wie eine intensive Zusammenarbeit mit unseren Top-Vortragenden.“ Die Lehrmethode von Martin Gooch wird insbesondere bei den berufsbegleitenden Studien wie z. B. beim Master-Studium „Operations Management“ (OMT) in Steyr zum Einsatz kommen.
Die nächste VCM-Konferenz findet 2013 wieder an der FH OÖ Fakultät für Management in Steyr statt.
Nähere Infos: www.vcm-conference.com